Product Leadership – Teil 3: Product

Product Leader beschäftigen sich meist mit unterschiedlichen Tätigkeiten, die sich alle um die Themen „People“, „Processes“ und „Products“ drehen. Das ist das Fazit aus 12 Interviews, die ich mit Product Leader aus deutschen Unternehmen unterschiedlichster Größe führen durfte.

Nachdem ich bereits im ersten Teil dieser Artikelserie über das Thema „People“ und im zweiten Teil über „Processes geschrieben habe, beschäftigt sich der dritte und letzte Teil nun mit dem Thema „Products“.

Products

Neben der Menschen und der Prozesse spielen natürlich auch die Produkte eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag eines Product Leads. Schließlich verantwortet er / sie die (Weiter-)Entwicklung der Produkte. Product Leader arbeiten dabei jedoch insbesondere auf der strategischen Ebene; für die Details der Umsetzung sind in der Regel die Teams und Mitarbeiter verantwortlich.

Insbesondere die Erstellung, die Kommunikation und das Vorleben einer Produkt-Vision gehört – wie bereits in Teil 1 des Beitrags beschrieben – zu den Kernaufgaben eines Product Leads. Diese erstellt ein guter Product Lead jedoch nicht im Alleingang, sondern involviert sein Team und wo sinnvoll auch Stakeholder.

 

„In Workshops entwickeln wir unsere gemeinsame Vision und halten diese am Leben. Wenn wir alle wissen wohin wir marschieren wollen ist das Weitere ’nur noch‘ Umsetzung.“ – Georg Weidner

„Ich spreche so oft es geht mit meinen Teams über die Vision und wo es hingehen soll. Nur so werden die Ideen greifbar, können verinnerlicht werden und zum Leben erweckt werden. Deshalb versuche ich meine Sicht und Perspektiven in Gesprächen zu kommunizieren und jeden zum Weiterdenken anzuregen.“ – Jan Schlie

„Zur Aufgabe des Product Leads gehört auch die Gestaltung der Produktvision und -strategie. Diese gilt es zu definieren, zu kommunizieren und zu verteidigen. Die Definition ist ein Prozess, welcher auch das Team und Stakeholder involviert, jedoch vom Product Lead getrieben und gemeinsam mit dem Management festgelegt werden muss.“ – Heike Funk

 

Die beste Produkt-Vision bringt natürlich nicht viel, wenn unklar ist, wie diese erreicht werden soll. Daher ist eine weitere wichtige Tätigkeit eines Product Leaders die Entwicklung, Kommunikation und Implementierung einer Produkt- oder Produktportfolio-Strategie. Hierin muss der Product Lead aufzeigen, welche Schritte und Maßnahmen in welcher Reihenfolge durchgeführt werden sollen, um das große Ziel, die Vision zu erreichen.

 

„Unsere Produktstrategie ist problemfokussiert, nutzerzentriert und businessorientiert. Sie beantwortet die Kernfrage, welche Nutzerprobleme mit unseren Produkten gelöst werden sollen und beachtet dabei stets, inwiefern diese zur Erreichung der Chefkoch-Unternehmensziele beitragen?“ – Jörg Nastelski

„Der Product Lead verantwortet die Resultate. Dies gelingt über eine klare, begründete Produktstrategie, harte Priorisierung auf Basis exzellenter Marktkenntnis und Umsetzungsfähigkeit.“ – Mathias Köster-Niechziol

„Die größte Herausforderung ist es für mich, die Produktstrategie in alle Teile der Firma zu kommunizieren und implementieren. Welche Prozesse und Kommunikationswege kann man nutzen, um Strategie und Vision zum Leben zu erwecken? Je größer die Firma ist und je mehr Teams es gibt desto komplexer wird diese Aufgabe.“ – Jan Schlie

 

Wie bereits weiter oben beschrieben, sollte die konkrete Umsetzung der Produkt-Strategie bzw. der Roadmap durch die einzelnen Teams erfolgen. Wichtig dabei ist jedoch, dass der Product Lead während der Umsetzung zur Verfügung steht, Fragen beantwortet, wo nötig unterstützt und Probleme aus dem Weg räumt, sollten welche Auftreten.

 

„Abhängig von der Seniorität des Teams ist man entsprechend mehr oder weniger involviert, muss aber immer den Fortschritt im Blick haben und wissen, wo jeder steht und wo Hilfe und Unterstützung notwendig sind. Ob es ein gemeinsames Storymapping, der Design Sprint oder die Launch Kommunikation ist – der Product Lead sollte und muss Ansprechpartner und Anker für jeden Schritt in der Umsetzung sein.“ – Heike Funk

Ich verstehe meine Aufgabe als Supporter unserer Teams, damit diese effizient und „unabhängig arbeiten können. Dementsprechend löse ich für sie Probleme, unterstütze bei Fragestellungen, fungiere als Schnittstelle zum Management und kümmere mich um das übergeordnete Zusammenspiel“ – Roland Geringer

 

Der Product Leader verantwortet letztlich auch den Erfolg des Produktes / der Produkte. Daher ist er / sie auch dafür verantwortlich, entsprechende KPIs und Kennzahlen zu erheben oder erheben zu lassen. Dazu geben einige meiner Gesprächspartner an, dass sie ihre Mitarbeiter immer wieder zu datengetriebenem Arbeiten anhalten, damit Produkt-Entscheidungen fundiert (und nicht aus dem Bauch heraus) getroffen werden.

 

„Wichtig ist, dass zu einer Priorisierung auch ganz viele Zahlen und Daten gehören. Wir probieren gerade, mit unserem Alignment in Form eines Canvas die wichtigsten Informationen zu sammeln, um wichtige Produktentscheidungen anhand dieser Zahlen treffen zu können.“  – Carsten Bokemeyer

„Es ist immer wieder spannend, wie lange über Glauben diskutiert wird. Ich versuche daher immer, z.B. über die Nutzung von Features Zahlen zu bekommen, oder zumindest mit Hypothesen zu arbeiten.“ – Kim Asmussen

„Ich bin ein sehr zahlengetriebener Mensch und erwarte daher von Jedem ein bestimmtes Maß an Zahlenorientierung und dass jeder seine KPIs kennt.“ – Heike Funk

„Aufgrund von Daten treffen wir bessere Entscheidungen. Product Leadership fördert Daten-informierte Entscheidungen der Mitarbeiter und Teams. Aber Achtung,  Stolperfalle: Entscheidungen nur aufgrund 100%iger Datenlage zu treffen, ist wissenschaftlich aber nicht wirtschaftlich. Daten helfen, das Risiko besser einzuschätzen, werden es aber nicht vollständig auflösen!“ – Jörg Nastelski

 

Fazit

Natürlich beschäftigen sich Product Leader auch einen großen Teil ihrer Zeit mit den Produkten, die sie verantworten. Hierbei sind meine Interviewpartner meist auf der strategischen Ebene unterwegs und helfen den Teams dann bei der Umsetzung, wenn es notwendig ist. Dabei ermutigen oder fördern sie eine nutzerzentrierte, datengetriebene Vorgehensweise.

Danke!

So, dass war nun der letzte Teil unserer dreiteiligen Reihe zum „Product Leadership“. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an die 12 Product Leader, die mir mit ihren Antworten und Gedanken reichlich Input für diesen Artikel gegeben haben:

Und noch ein paar Lese-Tipps

Ich habe meine Interviewpartner zum Abschluss der Gespräche noch gefragt, welche Lese-Tipps sie rund um das Thema Product Leadership für euch haben. Hier eine  Auswahl an Link- und Buch-Empfehlungen.

Artikel und Videos

Bücher

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Weitere Artikel zum Thema „Product Leadership“

Job-Empfehlung

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Über Rainer Gibbert

Rainer ist Produktmanager mit großer Begeisterung für gute, Kunden-orientierte und wirtschaftlich erfolgreiche Produkte. Derzeit leitet er bei der Star Finanz GmbH in Hamburg den Privatkundenbereich und verantwortet die Weiterentwicklung der Software StarMoney. Zuvor war Rainer u.a. bei REBELLE als Head of Product, bei Fielmann Ventures als Senior Produktmanager sowie bei OTTO als Produktmanager im E-Commerce Innovation Center tätig und leitete das User Insights Team bei der XING AG.

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