Product Leadership – Teil 2: Processes

Product Leadership ist mehr als nur reines Management. Vielmehr stehen eine Reihe von Tätigkeiten und Denkweisen dahinter, die sich alle um die Themen „People“, „Processes“ und „Products“ drehen.

Im ersten Teil meines Artikels zu „Product Leadership“, für welchen ich 12 Product Leader aus deutschen Unternehmen unterschiedlichster Größe interviewen durfte, bin ich bereits im Detail auf das Thema „People“ eingegangen. Ich habe beschrieben, wie Product Leader erfolgreiche Teams aufbauen, sich um ihre Teams kümmern und dafür sorgen, dass diese sich auf ihre Kernaufgabe fokussieren können: das Bauen erfolgreicher Produkte.

Im zweiten Teil werde ich nun auf das nächste „P“ eingehen: Die Prozesse.

Processes

Menschen sind, wie im ersten Teil des Artikels bereits erwähnt, das wichtigste Gut eines Unternehmens. Doch die besten Mitarbeiter bringen nichts, wenn sie in einer Umgebung arbeiten müssen, die Kreativität, Flexibilität und Innovation hemmt oder gar verhindert. Daher ist die Optimierung der Prozesse und Vorgehensweisen innerhalb des Unternehmens laut meinen Gesprächspartnern ein weiteres wichtiges Handlungsfeld.

 

„Ich verstehe mich als ‚Servant Leader‘, der mehr an den grundlegenden Strukturen und Prozessen als an den inhaltlichen Themen arbeitet. Wichtig ist für mich, meine Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, gute Entscheidungen treffen zu können.“ – Jörg Nastelski

„Mir ist wichtig, dass alle im Team eine ähnliche Arbeitsweise haben. Als Product Lead sehe ich meine Aufgabe darin, Prozesse aufzusetzen bzw. mit dem Team zu erarbeiten und dann gemeinsam zu leben und weiterzuentwickeln.“ – Heike Funk

„Offene Türen und Rahmenbedingungen schaffen und Prozesse gestalten sind notwendig, damit das Team sich entfalten, motiviert und selbständig Ihre Produkte effektiv umsetzen kann.“ – Jocelyn Ly Lim

 

Die Prozesse sollten dabei dahingehend optimiert werden, dass die gesamte Produktentwicklung auf das Verstehen und Lösen von Problemen (seien es Nutzer-, Kunden- oder Business-Probleme) ausgerichtet wird. Denn viel zu häufig denken und agieren Unternehmen noch Feature-getrieben oder zu Lösungs-fokussiert. Die Aufgabe des Product Leads ist es dann aufzuzeigen, dass das Verstehen und Lösen von Problemen wichtiger ist, als das Umsetzen eines bestimmten Features (bei dem unklar ist, welches Problem es eigentlich lösen soll). Hierzu zählt auch das Aufsetzen eines Prozesses zur Product Discovery, bei dem sich auf das „Was“ statt auf das „Wie“ konzentriert werden soll.

 

„Eine der Herausforderungen ist es, den Stakeholdern und Mitarbeitern dabei zu helfen, Probleme zu skizzieren anstatt mit Lösungen um die Ecke zu kommen. Die Leute konzentrieren sich zu sehr auf Lösungen und setzen sich weniger mit dem Problem auseinander, das sie  eigentlich lösen wollen.“ – Carsten Bokemeyer

„Ich versuche lange Roadmaps oder komplexe Projektpläne zu vermeiden und arbeite viel lieber mit Opportunity Backlogs, lasse Teams experimentieren und durch Product Discovery herausfinden, welche Dinge wirklich zur Zielerreichung beitragen können.“ – Heike Funk

 

Ebenfalls wichtig ist das Schaffen von Rahmenbedingungen, die den Teams dabei helfen, fokussiert an den wichtigsten Problemen zu arbeiten. Denn nichts ist aufreibender und damit ineffektiver, als mangelnder Fokus und die dadurch entstehende Notwendigkeit, immer wieder von einem Thema zum nächsten springen zu müssen.

 

„Product Leadership schafft es, die Produktorganisation immer wieder auf das Wesentliche zu fokussieren (‚Doing the right things‘). Die Mitarbeiter und Teams setzen sich selbst Meilensteine oder (Zwischen-)Ziele anhand derer sie stets überprüfen können, ob sie ihren Fokus bei der Verfolgung der Produktstrategie halten.“ – Jörg Nastelski

„Ich verwende viel Zeit damit, die Abteilungs- und Unternehmensstrategien aktiv zu hinterfragen, mich politisch im Unternehmensumfeld zu bewegen und so schon früh kontraproduktive Ideen zu verhindern, sodass sich mein Team und ich auf Features mit hohem Business Value fokussieren können.“ – Simon Erdem

„Es ist wichtig, dass ich Produktfokus lebe und immer wieder zum Thema mache. Das sind Fragen nach der Einbindung von Nutzern, die Aufklärung zum Thema User Experience als auch Produktqualität, die immer wieder zu thematisieren sind. Veränderungen, gerade in den Denkweisen brauchen eben Zeit.“ – Lars Neumann

 

Auch das Schaffen von Freiräumen für innovatives Denken gehört zum Product Leadership. Denn Innovationen entstehen häufig nicht im Tagesgeschäft, sondern erst wenn die Mitarbeiter Zeit und Raum haben, neue (auch auf den ersten Blick verrückte) Ideen zu generieren und auszuprobieren, zu experimentieren und sich einfach mal mit anderen Dingen zu beschäftigen. Seien es Hackathons, Innovation Days, die 20%-Regel oder andere Innovations-Ansätze – Hauptsache, die Mitarbeiter können eigene Ideen ersinnen und verwirklichen.

 

„Als Produkt Lead schaffe ich Freiräume für innovatives Denken in der gesamten Organisation. Wir führen beispielsweise Hackathons durch, um das innovative Potential aller Mitarbeiter zu heben. Darüber hinaus müssen solche strukturellen „Ausbrüche“ aber wieder in systematische Prozesse überführt werden, damit sie neben unserem Kerngeschäft auch erfolgreich weiter betrieben werden können.“ – Jörg Nastelski

 

Um all diese organisatorischen und prozessualen Änderungen im Unternehmen vorantreiben zu können ist es wichtig, dass der Product Leader ein guter Kommunikator ist der es schafft, bei Management und Stakeholdern aus anderen Bereichen ein Verständnis für die Notwendigkeit der Veränderungen zu schaffen. Denn nur wenn im ganzen Unternehmen ein Umdenken stattfindet, wenn die gesamte Organisation ein Shared Product Mindset entwickelt, können Produkte effektiv und effizient (weiter)entwickelt werden.

 

„Eine große Herausforderung ist es, für diese Arbeitsweise Verständnis zu schaffen und ein Alignment mit den Produktentscheidungen herzustellen.“ – Carsten Bokemeyer

In vielen Unternehmen wird Product Managment oder Product Ownership sehr unterschiedlich verstanden. Insbesondere in Industrien, welche sich erst an das Thema Digitalisierung annähern, muss der Product Lead das Verständnis schaffen, was für einen Mehrwert Product Teams dem Unternehmen bringen können. Die Transformation besteht darin, das Unternehmen oder bestimmte Mitarbeiter der Digitalisierung anzunähern, ihr Mindset und das Verständnis dazu zu ändern.“ – Jocelyn Ly Lim

 

Fazit

Product Leadership heißt dafür zu sorgen, dass die Produkt-Teams in einem Umfeld arbeiten können, welches problemorientiertes, innovatives und fokussiertes Arbeiten ermöglicht und fördert. Daher muss ein Product Leader immer wieder die bestehenden Strukturen und Prozesse hinterfragen und versuchen, sie zu optimieren. Dazu muss der Product Leader im Unternehmen Verständnis schaffen, werben und ein Product Mindset evangelisieren.

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Über Rainer Gibbert

Rainer ist Produktmanager mit großer Begeisterung für gute, Kunden-orientierte und wirtschaftlich erfolgreiche Produkte. Derzeit leitet er bei der Star Finanz GmbH in Hamburg den Privatkundenbereich und verantwortet die Weiterentwicklung der Software StarMoney. Zuvor war Rainer u.a. bei REBELLE als Head of Product, bei Fielmann Ventures als Senior Produktmanager sowie bei OTTO als Produktmanager im E-Commerce Innovation Center tätig und leitete das User Insights Team bei der XING AG.

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