In-App UX und Lokalisierung: die größten Fehler und wie man sie überwinden kann

Die Benutzererfahrung ist ein kritischer Faktor, der sich direkt auf den Erfolg deiner App auswirkt – unabhängig davon, ob sie geliebt oder sofort nach der Installation wieder deinstalliert wird. Das Thema wird noch komplexer, wenn wir über Lokalisierung sprechen, d. h. über die Anpassung einer Software an die Zielgruppe. Es ist wichtig zu beachten, dass sich die Lokalisierung nicht auf die Übersetzung beschränkt, sondern auch Elemente des Layouts und Designs an die jeweilige Kultur anpasst. Dieser Artikel ergänzt meinen früheren Artikel über die optimale Vorgehensweise bei der Lokalisierung.

Effektive App-Lokalisierungsdienste kümmern sich für alle vorgesehenen Benutzergruppen selbst um die kleinsten Aspekte der UX-Lokalisierung. Dass jede Sprache ihre eigenen Nuancen hat, versteht sich von selbst, aber während des Entwicklungsprozesses werden solche Aspekte oft missachtet und die UX der App mit Blick auf nur eine Sprache entworfen. Infolgedessen sieht die App großartig aus – aber nur für eine Zielgruppe.

Um dir zu helfen, mögliche Risiken zu minimieren, haben wir die wichtigsten UX-Lokalisierungsprobleme gesammelt, auf die Anwendungsentwickler stoßen können. Wenn du diese kennst, könnest du deine UX-Gesamtstrategie für zukünftige Lokalisierungen effektiver planen, anstatt nach der Produktveröffentlichung alles neu gestalten zu müssen.

1. Worthöhe und Wortlänge

Eines der häufigsten UX-Probleme während der Lokalisierung ist die Wortlänge in verschiedenen Sprachen. Zum Beispiel kann das Wort „Hi“ im Französischen als „Salut“ übersetzt werden, was mehr als doppelt so lang ist. Unterschiedliche Zeichen können auch unterschiedlich hoch sein: Während englische, französische oder deutsche Zeichen etwa gleich hoch sind, sind die Zeichen einer asiatischen Sprache wie Chinesisch viel höher. Das Resultat ist, dass im Layout der App nicht genügend Platz zur Verfügung steht: Der lokalisierte Text wird unlesbar und das Layout ist ruiniert.

2. Links-nach-rechts vs. Rechts-nach-links Texte

Eine weitere Sache, die zu berücksichtigen ist, ist die das Schreiben von links nach rechts bzw. von rechts nach links. Im Zusammenhang mit UX erfordert die Verwendung einer von rechts nach links gerichteten Sprache (wie z. B. Arabisch) eine Umstrukturierung vieler UX-Elemente. Bei einer Schrift von rechts nach links müssen Buttons und Icons logischerweise links auf dem Bildschirm platziert werden, sodass sie für den Benutzer sichtbar sind, wenn er den Text zu Ende gelesen hat.

Betrachte das folgende Beispiel. Beim Schreiben von links nach rechts, wie im Deutschen, erwartet ein Benutzer, dass die Schaltfläche „Weiter“ oder das Warenkorbsymbol rechts unmittelbar nach dem Text angezeigt werden. Das bedeutet, dass der Benutzer den zu drückenden Button direkt nach dem Lesen des Textes sieht. Dies muss berücksichtigt werden, wenn du planst, deine App für Länder zu lokalisieren, in denen von rechts nach links geschrieben wird.

3. Maßeinheiten

Ein weiteres Problem, das während der UX-Lokalisierung häufig auftritt, ist die Verwendung falscher Maßeinheiten bei Entfernung, Gewicht und Richtungsangaben. Zum Beispiel werden Gewichte in Europa in Kilogramm gemessen, während in den USA Pfund verwendet werden. Berücksichtige bei der Übersetzung deiner App diese Aspekte und verwende die richtigen Maßeinheiten.

4. Mangel an Kontext

Wenn du deinem Übersetzer (oder deinem Übersetzungsbüro) einen Text übergibst, ist es unbedingt erforderlich, genügend Kontext bereitzustellen, damit die Übersetzer den Text richtig interpretieren können. Nimm zum Beispiel das Wort „check“ aus dem Englischen: Ist hier eine Rechnung gemeint oder bedeutet es in diesem Kontext, etwas „zu untersuchen“? Für Übersetzer ist dies ohne entsprechenden Kontext unmöglich zu wissen. Es ist auch eine gute Idee, Platzhalter mit Kommentaren zu versehen (wir werden dies weiter unten ausführlicher besprechen) oder sogar Screenshots hinzuzufügen, die zeigen, wo der Text auftaucht.

5. Aufteilung von Zeichenketten

Dieses Problem bezieht sich auf das vorherige. In einer Benutzeroberfläche ist ein String eine Textzeile. Warum sollte jemand eine einzelne Textzeile aufteilen müssen? Der häufigste Grund ist der Wunsch, ein einzelnes Wort wie Preis, Zeit oder Ort hervorzuheben. Ein gutes Beispiel wäre die Phrase „Jetzt für nur 10 €“. Wenn beispielsweise eine andere Formatierung gewünscht ist, trennt ein Frontend-Entwickler die Zeichenfolge auf, um die Textgestaltung umzusetzen.

Diese Art der Trennung führt in der Regel jedoch zu einem Kontextverlust, da der Übersetzer oft getrennte Wörter wie „from“, „to“, „check“, „now“ usw. erhält, die er übersetzen soll. Hier fehlen dem Übersetzer Informationen zum Kontext, was zu einer qualitativ minderwertigen Übersetzung, inkonsistenter Textgestaltung und einem unbefriedigenden UX führen kann. Die beste Lösung ist, für solche Phrasen nur eine Zeichenfolge (mit einem Stil) zu erstellen. Außerdem können bei Bedarf Platzhalter (für Preise, Zeiten, Orte usw.) verwendet werden, die sich unabhängig vom Rest der Zeichenfolge formatieren lassen.

6. Partielle Lokalisierung

Die partielle Lokalisierung mischt Sprachen und ist in einer Reihe von Webseiten und Apps anzutreffen. Eine partielle Lokalisierung kann z. B. für Marketingzwecke oder zum besseren Verständnis komplexer Informationen erforderlich sein, aber sie bringt auch eine Reihe von Problemen mit sich. Erstens kann der Sprachmix für viele verwirrend sein. Zweitens kann die partielle Lokalisierung von visuellen Elementen, die sich auf eine bestimmte Kultur beziehen (Farben, Symbole usw.), als unhöflich und sogar beleidigend empfunden werden, insbesondere bei falscher Verwendung. Kurz gesagt, du solltest eine partielle Lokalisierung nur in bestimmten Fällen einsetzen: zur Klärung wichtiger Informationen, zum Sammeln von Daten und dergleichen.

7. Probleme mit der Kodierung

Probleme mit der Zeichenkodierung sind weit verbreitet. Wir sind alle bereits auf einer Webseite oder innerhalb einer App auf die folgenden Symbole gestoßen: ���. Dies passiert, wenn inkompatible Zeichenkodierungen verwendet werden. Die erste Regel für jeden Anwendungsentwickler, der plant, sein Produkt international anzubieten, ist, die UTF-8-Kodierung zu verwenden, um alle potenziellen Übersetzungs- und Lokalisierungsanforderungen für verschiedene Schriftarten, Glyphen und Zeichen abzudecken. Beachte aber, dass du für asiatische Sprachen UTF-16 verwenden musst.

8. Probleme mit Hartkodierung

Ein weiterer Fehler, den viele Entwickler bei der Arbeit an Inhalten machen, ist die harte Kodierung von Datum, Uhrzeit, Währung und anderen Einheiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit lokalisiert werden müssen. Um diese Probleme zu vermeiden, ist es am besten, solche Daten in Form von lokalisierbaren Strings aufzubewahren, sodass deine Übersetzer sie bei Bedarf jederzeit korrigieren können. Es wird empfohlen, eine Bibliothek zu verwenden, um verschiedene Gebietsschemata zu speichern (unter Beibehaltung des ISO-Formats) und diese Bibliothek immer dann zu verwenden, wenn du für ein bestimmtes Gebietsschema konvertieren musst.

Fazit

Die Benutzererfahrung setzt sich aus Hunderten von Dingen zusammen, und selbst der kleinste Fehler kann sie für den Nutzer unangenehm machen. Um ein wirklich benutzerfreundliches Produkt zu erstellen, solltest du fortschrittliche Lokalisierung-Tools in Kombination mit einem individuellen Ansatz für den Lokalisierungsprozess verwenden, um eine nahtlose Verwendung Ihres Produkts zu gewährleisten. Mit kontinuierlicher Übersetzung von Software wird auch die Lokalisierung mit der agilen Softwareentwicklung eingebunden.

Und denk daran: visuelle Elemente sollten Texte ergänzen und umgekehrt. Prüfe also, wie sie zusammen aussehen und ob es Inkonsistenzen zwischen der beabsichtigten Botschaft und dem angezeigten Inhalt gibt.

Loïe Favre ist Lokalisierungsexpertin bei Alconost. Die Firma bietet Übersetzungen in mehr als 70 Fremdsprachen an und die Lokalisierungen von Software, Apps, Spielen, Videos sowie kontextbezogene Werbung.

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