Book Review: Product Leaderhip
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Lesenswert: Product Leadership

Anfang Dezember war Martin Eriksson, Produktmanagement-Veteran, Erfinder der ProductTanks und Organisator der Mind the Product, zu Besuch in Hamburg und sprach dort auf dem ProductTank über sein bald erscheinendes Buch „Product Leadership – How Top Product Managers Launch Awesome Products and Build Successful Teams“ .

Erscheinungsdatum für das Buch ist der 31. Mai, aber Martin war so freundlich, produktbezogen vorab ein digitales Exemplar zukommen zu lassen. So hatte ich bereits zwei Wochen vor Erscheinen die Gelegenheit, das Buch zu lesen und mir die gesammelten Product Leadership Erfahrungen von Martin, seinen Co-Autoren Richard Banfield und Nate Walkingshaw, sowie von den knapp 100 Product Leadern, welche die drei für das Buch interviewt hatten, zu Gemüte zu führen.

Euch möchte ich nun einen P(review) auf das Buch geben und euch zeigen, warum sich der Kauf des Buchs lohnt.

Wer das Buch „Product Leadership“ lesen sollte

Wie der Titel vermuten lässt, richtet sich das Buch primär an Product Leader, also Personen die ein Produkt-Team oder ein Team von Produktmanagern führen.

Wie die Autoren erkannt haben, gibt es bereits viel Literatur zum Thema „Führung“ allgemein und ebenfalls viel Literatur zum Thema „Produktmanagement“, also zur Rolle des Produktmanagers, den Verantwortlichkeiten und Tätigkeiten. Doch die Rolle des Product Leaders, wie man sie ausfüllt, welche besonderen Herausforderungen es gibt usw. wird bisher noch selten in der Literatur behandelt. Diese Lücke möchten Martin, Richard und Nate nun füllen:

„Technical product roles are well described and documented, while leadership roles in product organizations remain fuzzy and ill defined. The purpose of this book is to clarify this ambiguity and expose the characteristics of great product leadership.“

Dabei haben sie allerdings nicht nur ein Buch geschrieben für Personen, die Product Leader sind oder es werden wollen / sollen, sondern sie beschreiben die Rolle im Kontext der Produkt-Organisation. Dadurch ist das Buch ebenso interessant für jeden Produktmanager, für Produkt-Teams und angrenzende Bereiche, sowie für Personen aus dem oberen Management, die für die Besetzung der Product Leader Position verantwortlich sind und diese bewerten müssen.

Was man in dem Buch „Product Leadership“ lernt

Das Buch soll keine Anleitung sein, wie die Rolle des Product Leaders auszufüllen ist. Vielmehr bildet es ein Framework, welches Personen in solch einer Rolle Anregungen und Leitplanken geben soll, die Herausforderungen der Position zu meistern und Fehler, die andere bereits gemacht haben, zu vermeiden.

In Product Leadership werden insbesondere die folgenden Themenfelder besprochen:

  • Was macht Product Leadership einzigartig, wie unterscheidet es sich von anderen Bereichen (z.B. Marketing, Entwicklung, Operations) und wie arbeitet es mit diesen zusammen?
  • Wie stellt man die übergeordneten Ziele des Unternehmens heraus und wie arbeitet man auf diese Ziele hin?
  • Wie stellt man sicher, dass die Produkte, die entwickelt werden, auf das übergeordnete Ziel des Unternehmens einzahlen?
  • Wie schafft man neue Werte für den Kunden und sichert damit die Zukunft der Organisation im Markt?
  • Wie findet man heraus, welche Art von Produktmanagement und Product Leadership die Organisation in ihrer aktuellen Entwicklungsstufe benötigt – und wie stellt man die richtigen Personen hierfür ein bzw. bildet sie weiter?
  • Wie baut man das richtige (Produkt-) Team für die Organisation auf und wie schafft man die richtigen Strukturen und Prozesse, sodass das Team sich zu vollem Potential entfalten kann?
  • Wie schafft man die richtigen Prozesse für das Unternehmen – denn nicht alle Unternehmen benötigen die selben Prozesse?
  • Wie bringt man Stakeholder und die weiteren Bereiche im Unternehmen auf seine Seite, sodass diese die Arbeit im Produktbereich unterstützen (statt sie im schlimmsten Falle zu behindern)?
  • Wie richtet man das Produkt-Team auf die Mission, Vision und Werte des Unternehmens aus?
  • Wie misst und bewertet man den Erfolg des Produkt-Teams?
  • Wie etabliert man eine Produkt-Kultur, die Autonomie und Verantwortlichkeit akzeptiert und fördert?

Dabei erzählen die drei Autoren zum einen aus ihrer eigenen Praxis-Erfahrung und führen darüber hinaus viele Best Practices auf von Product Leadern aus Unternehmen wie Adobe, YouTube, Uber, Google, Airbnb, Basecamp, Zipcar, Intuit, Intercom, Sonos, Drift, Rue La La, Transferwise, Upthere, Localytics, Cinch Financial, ProductPlan und vielen mehr.

Wie das Buch „Product Leadership“ aufgeteilt ist

Product Leadership unterteilt sich in drei Teile. Im ersten Teil „The Product Leader“ werden die zugrunde liegenden Konzepte hinter Product Leadership (also dem Führen im Produkt-Bereich) erläutert und grundsätzliche Charakteristiken und Verantwortlichkeiten der Rolle des Product Leaders beschrieben. Hierzu erklären die drei Autoren zunächst nochmals ausführlich, was Product Management ausmacht, wie die Funktion des Produktmanagers überhaupt entstanden ist und wofür Produktmanager verantwortlich sind (oder sein sollten). Anschließend leiten die Autoren auf die Relevanz von Product Leadership über und beschreiben im Detail, was einen guten Product Leader ausmacht. Der erste Teil schließt damit, wie man gute Product Leader findet und was man bei der Besetzung solcher Positionen beachten sollte.

Der zweite Teil „The Right Leader for the Right Time“ teilt Product Leadership für Organisationen in verschiedenen Entwicklungsstufen auf. Denn Product Leadership gestaltet sich je nach Organisation und deren Phase durchaus unterschiedlich. Hierzu unterteilen die Autoren Organisationen in drei grundsätzliche Phasen (Startup Organizations, Emerging Organizations und Enterprise Organizations) und erzählen anhand vieler Erfahrungsberichte von Product Leadern aus solchen Organisationen, was die Besonderheiten, Herausforderungen und auch Tücken der jeweiligen Phasen sind.

Im letzten und auch kürzesten Teil „Working with Customers, Agencies, Partners, and
External Stakeholders“ gehen die drei Autoren nochmals auf die besonderen Herausforderungen ein, mit denen Product Leader im Zusammenspiel mit Personen außerhalb der Produkt-Organisation konfrontiert sehen – seien es Kunden, Freelancer, Berater, Agenturen, oder andere Stakeholder. Dieses Ökosystem aus Partnerschaften gilt es zu kartieren und verstehen, damit im Anschluss Strategien entwickelt werden können, wie diese Partnerschaften bestmöglich zur Wertschöpfung genutzt werden können.

Mein persönliches Fazit

Buch: Product LeadershipDas Buch Product Leadership ist auf jeden Fall eine Lohnenswerte Lektüre für alle, die selber eine Führungsrolle in einer Produkt-Organisation innehaben. Es werden viele wertvolle Tipps gegeben (z.B. behandle dein Produkt-Team selbst wie ein Produkt und entwickle es mit den Methoden des Produktmanagement weiter), welche helfen können, die Rolle des Product Leaders und das Produkt-Team selbst innerhalb des Unternehmens zu stärken.

Dabei sind insbesondere die vielen Zitate und Erfahrungsberichte von den unterschiedlichsten Product Leads aus allen möglichen bekannten und weniger bekannten Unternehmen aus der Technologie-Welt sehr aufschlussreich und interessant. Ich kam beim Lesen kaum raus aus dem Markieren von relevanten Sätzen und guten Zitaten 😉

Auch für Produktmanager, Entwickler, Geschäftsführer und Stakeholder aus anderen Bereichen ist das Buch sehr interessant, hilft es doch dabei ein besseres Verständnis für die Rolle des Product Leads und dessen Verantwortlichkeiten zu schaffen. In vielen Unternehmen ist die Produkt-Organisation einfach ein Schlüssel-Bereich, der für den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Unternehmens von zentraler Bedeutung ist. Daher ist es für alle wichtig zu verstehen, was Produktmanagement und Product Leadership ausmacht und wie dieser Bereich besser unterstützt und befähigt werden kann.

Neben all der Lobhuddelei habe ich zum Schluss aber doch noch einen Kritikpunkt: gerade wegen der Fülle an Ideen, Anregungen, Best Practices, Zitaten wäre ab und zu ein Kapitel-Resümee oder ein abschließender Überblick schön gewesen. Da die Autoren das Buch nicht als Einmal-Lektüre sehen sondern vorschlagen, immer wieder zu den relevanten Themen und Kapiteln zurück zu kehren, wäre eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Themen und Kernaussagen hilfreich. Aber vielleicht kommt dies ja noch mit der nächsten, überarbeiteten Auflage.

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß beim Lesen und viele Erkenntnisse! Weitere Informationen zu dem Buch, den Autoren und auch Events rund um das Buch findet ihr übrigens auf http://productleadershipbook.com/

Über Rainer Gibbert

Rainer ist Produktmanager mit großer Begeisterung für gute, Kunden-orientierte und wirtschaftlich erfolgreiche Produkte. Derzeit leitet er bei der Star Finanz GmbH in Hamburg das Produktmanagement. Zuvor war Rainer u.a. bei REBELLE als Head of Product, bei Fielmann Ventures als Senior Produktmanager sowie bei OTTO als Produktmanager im E-Commerce Innovation Center tätig und leitete das User Insights Team bei der XING AG.

Ein Kommentar

  1. Christian Ziemann

    Guter Tipp. Product Leadership findet sich je nach Organisation ja tatsächlich in völlig unterschiedlichen Versionen wieder. Gerade als PM ist man regelmässig dem Fall ausgesetzt neben der prozessual bestimmten Rolle im Entwicklungszyklus auch eine „allgemeine“ Leaderfunktion für Produkte inne zu haben bzw. zugewiesen zu bekommen. Das schwankt dann von sinnvollen bis hin zu Lücken füllenden und weniger sinnvollen Tätigkeiten. Stichwort Edelmülltonne.

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