Erfahrungsbericht zum berufsbegleitenden Studium „Produktmanager (FH)“

Bisher gibt es wenige Möglichkeiten, sich zum Produktmanager ausbilden zu lassen. Die meisten PMs sind Quereinsteiger aus anderen Bereichen und eignen sich ihr Wissen „on the Job“ oder durch Seminare und Weiterbildungen an. Das traf auch auf mich zu – bis ich mich dazu entschied, mein praktischen Wissen durch ein berufsbegleitendes Studium zu erweitern.

In diesem Beitrag möchte gerne meine Erfahrungen mit dem berufsbegleitenden Studium „Produktmanager“ an der Hochschule Schmalkalden teilen und Tipps geben, worauf ihr bei der Wahl der passenden Weiterbildung achten solltet.

Mein Eintritt in die Online-Business-Welt war ein Volontariat in Kommunikation für spanisch- und französischsprachige Märkte für eine Kleinanzeigen-Website. Nach meinem Volo und einer Zwischenstation im Online-Marketing entwickelte ich mich schnell im Bereich Produktmanagement meines Arbeitgebers. Dort fühle ich mich sehr wohl, da ich gerne nutzerorientiert arbeite und für ein ansprechendes und verständliches Design sorge.

Ich empfehle euch, vor der Suche nach einer passenden Weiterbildung zunächst herauszufinden, welche Skills und Kernkompetenzen euch für eure Aufgaben im Produktmanagement fehlen. Abstrakt ausgedrückt: Seht euch selbst als ein Produkt an, dass ihr verbessern wollt. Wo besteht Verbesserungspotential? Wo gibt es Wissenslücken? Die Anforderungen an einen Produktmanager im Online-Bereich findet ihr in diesem Artikel zusammengefasst.

Macht euch auch klar, welches persönliche Ziel ihr mit der Weiterbildung erreichen wollt. Denn Faktoren wie Zeitaufwand und Kosten sind bei der Entscheidung nicht unerheblich.

Es gibt viele Weiterbildungsmöglichkeiten, die sich in Inhalt, Kosten und Zeiteinsatz sehr unterscheiden. Immer wieder finden vergleichsweise teure Wochenendseminare statt, in denen geballtes Wissen vermittelt wird. Oder Fernstudiengänge im Selbststudium.

Ich entschied mich für eine Weiterbildung über einen längeren Zeitraum mit Präsenzveranstaltungen vor Ort. Bei dieser Form der Weiterbildung wird das Wissen nicht auf einen Schlag vermittelt – und bleibt meiner persönlichen Erfahrung nach daher besser in Erinnerung. Außerdem kann man in Präsenzveranstaltungen Nachfragen stellen und diskutieren. Zudem kann man sich mit den anderen Teilnehmern über alltägliche Probleme austauschen und Rat einholen.

Ich habe einen geisteswissenschaftlichen Bildungshintergrund und hatte mir mein Produktwissen durch die tägliche Arbeit und das Lesen von Blogs und Fachbüchern angeeignet. Mir fehlte das theoretische BWL- und Marketing-Wissen. Deshalb war mir wichtig, das eine Weiterbildung diese Bereiche beinhaltet.

Produktmanager (FH)

Meine Wahl fiel auf die Hochschule Schmalkalden, die den Abschluss „Produktmanager (FH)“ als zwei-semestrige, berufsbegleitende Weiterbildung anbietet. Das ist zwar eine eher klassische PM-Weiterbildung ohne Online-Fokus, war für mich aber trotzdem interessant, hauptsächlich wegen der betriebswirtschaftlichen Inhalte.

Mit der Studienberatung des Zentrums für Weiterbildung fing es positiv an: Mir wurde der Kontakt zu einem Alumni vermittelt, der sich viel Zeit nahm, meine Fragen telefonisch zu beantwortet. Die Gesamtkosten für die Weiterbildung waren im Vergleich zu vielen Wochenendseminaren anderer Anbieter akzeptabel. Mein Arbeitgeber hat sich an den Studienkosten beteiligt.

Meine Kommilitonen hatten sehr unterschiedliche Vereinbarungen mit Arbeitgebern: von der kompletter Kostenübernahme über die teilweise Übernahme der Studiengebühren bis hin zu keinerlei Unterstützung. Ich empfehle euch, das Gespräch mit eurem Arbeitgeber sehr gut vorzubereiten. Unterstreicht in eurer Argumentation vor allem die Benefits für die Firma. Meiner Erfahrung nach ist dann mehr möglich, als man erwartet!

Zulassungsvoraussetzungen

  • Hochschul- oder BA-Studium sowie mind. ein Jahr Berufspraxis oder
  • (Fach-)Abitur sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Beruf und mindestens zwei Jahre einschlägige Berufspraxis oder
  • Realschulabschluss und eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Beruf und mindestens vier Jahre einschlägige Berufspraxis

Aufbau des Studiums an der Hochschule Schmalkalden

Schmalkalden liegt im Südwesten Thüringens, an den Ausläufern des Thüringer Waldes. „Schmalle“, wie die Stadt von Studierenden genannt wird, ist eine hübsche kleine Stadt, in der nicht soo viel los ist. Wenig Ablenkung also vom Studium – nicht das Schlechteste.

Das Studium ist in Selbststudiums- und Präsenzphasen eingeteilt. Vor Ort in Schmalkalden werden jeweils zuerst die Klausuren geschrieben und im Anschluss daran finden die Vorlesungen statt. 2015/16 gab es sieben Präsenzphasen, verteilt über zwei Semester. Wir waren 14 Teilnehmer aus unterschiedlichen Branchen. Dadurch, dass unsere Gruppe sehr klein war, konnten die Dozenten sehr gut auf unsere Fragen eingehen und kannten schnell unsere Namen sowie unseren beruflichen Hintergrund. Ich denke, das ist ein großer Vorteil im Vergleich zu Wochenendseminaren.

Vor der ersten Präsenzphase bekam ich ein Paket mit den ersten Skripten nach Hause geschickt, außerdem alle wichtigen Infos rund ums Studium sowie Infos zu Unterkünften in Schmalkalden und Freizeit-Tipps. Ein Rundum-sorglos-Paket sozusagen. Unsere Betreuer waren stets für uns erreichbar und halfen gerne. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt.

Alle Kurse finden im Hörsaalgebäude auf dem Campus statt. Normalerweise starten die Kurse um 8:30 Uhr und enden gegen 17 Uhr am Nachmittag. Zu meiner Zeit endeten die Sonntagskurse meist früher, damit alle Teilnehmer beizeiten die Heimreise antreten konnten.

Mit der Qualität der Kurse war ich meistens sehr zufrieden. Gut fand ich die „kundenorientierte“ Herangehensweise, dass es beispielsweise nach jedem Kurs einen Feedback-Bogen gab, den wir anonym ausfüllten. Zum Abschluss der Weiterbildung gab es einen Fragebogen für das Gesamtstudium.

Damit wir uns einlesen konnten, bekamen wir die Unterlagen für das nächste Blockseminar jeweils am Ende des vorherigen Hochschulbesuchs. Das Vorlesungsskript erhielten wir als Handout während der Veranstaltung. Nach jedem Kurs kreiste der Dozent die Klausur-relevanten Themen ein. Fast immer gab es eine Liste mit Klausurfragen, von denen einige in der Klausur verwendet wurden. Das half uns selbstverständlich bei der Vorbereitung auf die Klausuren. Bei Fragen waren die Dozenten stets per E-Mail erreichbar und antworteten zeitnah. Des Weiteren hatten wir Lerngruppen organisiert, um uns gegenseitig beim Lernen zu unterstützen. Unsere WhatsApp-Gruppe diente dem direkten Klären von Fragen zu Klausurthemen. Über diese Gruppe sind wir noch heute in Kontakt.

Veranstaltungen rund ums Studium

Am Anfang gab es ein Kennenlernspiel. Die Teilnehmer stellten sich vor und es ergaben sich die ersten Gesprächsthemen. Die Kaffee- und Mittagspausen in der Mensa trugen sehr dazu bei, dass wir uns immer besser kennenlernten. Die Hochschule organisierte immer wieder Veranstaltungen für uns, etwa gemeinsame Abendessen mit den Dozenten, eine Kanu-Tour auf der Werra oder Biathlonschießen in Oberhof. Ich habe diese Angebote sehr genossen – es sind so einige Freundschaften entstanden.

Studieninhalte

Das Studium umfasst folgende Themenschwerpunkte:

  • Betriebswirtschaftslehre
  • Strategisches Produktmanagement
  • Information Broking und Marktforschung
  • Produktmarketing und Vertrieb
  • Management von Produktinnovationen
  • Wirtschaftlichkeitsbewertung und Controlling
  • Projektmanagement
  • Soft Skills

Die meisten Kurse vermitteln solides Basiswissen. Oder frischen das Wissen auf. So waren etwa die Seminare „BWL“, „Strategisches Produktmanagement“ und „Produktmarketing“ sinnvoll und strukturiert aufbereitet. Mit vielen Beispielen aus der Praxis wurden uns Checklisten und Kennzahlen für unseren Berufsalltag an die Hand gegeben. Leider waren nicht alle Kurse sinnvoll für das Online-Produktmanagement. Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.

Der Bereich Online-Marketing, insbesondere Social-Media-Marketing und SEO sind leider viel zu kurz gekommen im Kurs Produktmarketing. Und wenn doch erwähnt, dann mit teilweise veralteten Informationen.

Anders der Kurs Vertrieb: Er richtete sich zu einem kleinen Teil auf die Theorie des Vertriebs. Zum Glück lag der Hauptfokus auf der Kommunikation, Intention, Wirkung und Wahrnehmung von Vertrieb ausgerichtet. Dieser Teil des interaktiven Kurs gefiel mir außerordentlich gut, es gab viele Aha-Momente, die einem die Augen öffneten und zum Nachdenken anregten.

Information Broking war zwar interessant, ist in meinem Job aber nicht anwendbar. Die Zugänge zu großen Datenbanken wie etwa Genios sind vergleichsweise teuer und enthalten kaum relevante Informationen für meine Branche. Positiv war, dass wir einen Tag lang kostenlos recherchieren konnten.

Marktforschung war ein zweigeteilter Kurs. Zunächst ging es um die Theorie samt allen Marktforschung-Methoden. Anschließend beschäftigten wir uns mit den Auswertungs- und Prognosemethoden, um die gewonnenen Daten mit SPSS zu analysieren. Bisher konnte ich das gelernte Wissen nicht anwenden, da in meiner Firma Google Analytics die wichtigen Metriken bereitstellt und wir eher selten Marktforschung betreiben.

Im Kurs Management von Produktinnovationen beschäftigten wir uns einerseits mit gewerblichem Rechtsschutz (z. B. Patente, Gebrauchsmuster, Urheberrecht) und andererseits mit Arten von Innovationen, deren Generierung und Bewertung. Sehr aufschlussreich fand ich die Inhalte zum Brechen des internen Widerstands gegen neue Produkte.

In Wirtschaftlichkeitsrechnung und Controlling lernten wir, wie Preise und Kosten festgelegt werden (Kostenstellenrechnung, Zuschlagskalkulation, Target Costing etc), und wie man berechnet, welche Art von Investition wirtschaftlich ist. Der letztgenannte Teil war Rechnungswesen-basiert – und trieb den weniger Zahlenbegeisterten von uns ein paar Schweißperlen auf die Stirn. Die komplexen Rechnungen (z. B. die Kapitalwertmethode oder Amortisationsrechnungen) werde ich in meinem jetzigen Berufsalltag allerdings nicht verwenden. Dennoch ist es gut, diese Methoden zur Wirtschaftlichkeitsrechnung zu kennen. Nach dem Kurs wurde mir wieder bewusst, wie wichtig ein funktionierendes Controlling ist. Planung ohne Kontrolle ist schließlich sinnlos.

Projektmanagement war in der Theorie spannend. Ich konnte einiges davon in meinen Arbeitsalltag einbringen. Der Praxisteil, der Klausur-relevant war, überzeugte mich jedoch nicht. Wir mussten mit mit der Software MS Project einen Projektplan erarbeiten. Für agiles Produktmanagement ist das Programm leider nicht geeignet. Es wäre schön gewesen, auch auf Alternativen einzugehen und Tools wie Jira, Trello oder trac vorzustellen.

Softskills war sehr inspirierender Kurs. Dort ging es um die Wirkung von Menschen und Handlungsmotiven in der Arbeitswelt. Letzteres soll helfen, das Verhalten von Mitarbeitern und Kollegen im Berufsumfeld zu verstehen – und entsprechend reagieren zu können. Wir übten Motivations- und Tadelgespräche mit Mitarbeitern in Rollenspielen und konnten uns Feedback für unsere Präsentationsfähigkeiten einholen.

Fazit

Es waren sehr anstrengende, lernintensive neun Monate, aber die Mühe hat sich gelohnt. Ich habe nicht nur enorm viel gelernt, sondern auch viele nette Menschen kennengelernt, mit denen ich nach wie vor in Kontakt stehe. Ich bin sehr froh, dass ich mich für diese Weiterbildung entschieden habe. Ich besitze nun ein solides BWL- und Produktmanagement-Wissen und konnte meine Arbeitsweise optimieren.

Über Maria Dammers

Maria Dammers ist Produktmanagerin bei der Yalwa GmbH. Sie erlebte dort die spannende Entwicklung eines Start-ups hin zu einem soliden Unternehmen – und hat ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Ihre berufliche Laufbahn startete in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und führte sie zunächst ins Online-Marketing. Von dort entwickelte sie sich zur Produktmanagerin. Mittlerweile leitet Maria die Abteilung Product & Communications bei Yalwa.

Ein Kommentar

  1. Doris Berger

    Hallo und vielen Dank für den informativen Artikel und diesen kurzen Umriss. Ich bin angehender Produktmanagerin und befasse mich derzeit mit dem Thema des Managements von Produktinnovationen. Ganz besoners liegt mein Augenmerk auf der Realisierung von Neuheiten. Vor allem im technischen Bereich. Ich denke, dass sich mir noch viele neue Erkenntnisse zeigen werden. VG Doris

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