Konferenz Rückblick – MTPCon 2015. Klassentreffen für Produktmanager

Vergangene Woche fand die „Mind the Product“ Konferenz, kurz MTPCon, in London statt und ich war dabei. Mitgebracht habe ich jede Menge Eindrücke und Stimmen von Kollegen und damit die Stimmung rüberkommt gibt es erst mal ein kleines Video.

Die Stimmung

Mind The Product 2015 Recap from MindTheProduct on Vimeo.

Wer war da?

Die MTPCon ist auf jeden Fall das Klassentreffen der Branche. Nirgends trifft man so viele Produktmanager auf einem Fleck. In diesem Jahr haben über 1.200 „product people“ ihren Weg in die Britische Metropole gefunden. Da ergaben sich natürlich auch gute Gespräche im Innenhof des Barbican.

Was die Speaker angeht so haben wir unter anderem dem wunderbaren Jared Spool (Founder, User Interface Engineering & Co-Founder, Center Centre), Shiva Rajaraman (VP Product, Spotify), Nilan Peiris (VP Growth, TransferWise) und Ken Norton (Product Partner, Google Ventures) lauschen dürfen.

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Klönschnack im Innenhof des Barbican

Stimmen aus dem Publikum

Wir starten mit Arne Kittler (Director Mobile Product Management, XING AG) da sein Lieblingsmoment gleich zu Beginn der Konferenz stattgefunden hatte:

„Ich fand es super, dass Martin Eriksson in seiner Begrüßung an alle Teilnehmer appelliert hat, sich aktiv in ihrer lokalen Produkt Community einzubringen.“

Dem kann ich nur beipflichten. Denn es muss nicht immer die teure Konferenz sein. Es gibt auch tolle Events vor eurer Tür, wie z.B. die Product Tanks. Und im direkten Erfahrungsaustausch mit Kollegen lässt sich auch sehr viel lernen.

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Martin Eriksson sagt „Hallo“

Henry Fiebelkorn (Head of Product Premium Content Platform, Axel Springer ideAS GmbH) fand den besten Rat der Konferenz im Vortrag von Jared Spool. Dieser sprach über das Kano-Modell (Delighters, Frustrators, …) und, dass Roadmaps als pure Aneinanderreihung von Features keine Hilfe sind.

Henry blieb dabei folgender Satz im Ohr:

„For building roadmaps use Themes in order to focus on customer problems. (…) The beauty of it is that you start talking about customer problems instead of features“

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Jared Spool erklärt das Kano Modell…

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… und zitiert Bruce McCarthy wenn es um Roadmaps geht.

Im Anschluss an Jared Spool gab Amanda Richardson Tipps für weibliche Produktmanager. Eigentlich… denn, wie ich finde, waren die meisten Tipps auch für die männlichen Kollegen gut geeignet. Wie z.B. „Learn, don’t run“ und die damit verbundene Aufforderung berufliche Herausforderungen anzunehmen und lieber aus Fehlern zu lernen als auf Erfahrungen zu verzichten.

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Amanda Richardson gibt Tipps für weibliche Produktmanager

Vor der Mittagspause Präsentierte Shiva Rajaraman dann noch einige kreative Produktideen aus dem Spotify Umfeld und verband damit die Botschaft „Pflegt die Kultur, die sich um eure Produkte herum entwickelt! Helft den Nutzern diese Kultur zu spüren!“

Albert Heim (Director Digital Products, SPORTFIVE GmbH & Co. KG) dazu:

Shiva Rajaraman hat mir aus der API-Seele gesprochen: Baut keine individuellen Features sondern Plattformen, die viele, auch unbekannte Use Cases abdecken können. Wenn aus dem Produkt / der Platform dann ein Ecosystem entsteht, das neue Geschäftsmodelle hervorbringt, ist die Produktentwicklung der relevanteste Treiber des Business.

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Shiva Rajaraman zeigt uns was bei Spotify so los ist

Nach dem Mittagessen gab es dann den Lieblingstalk von Sönke Martens (Head of Product Management, eSailors IT Solutions GmbH). Er sagt auf die Frage nach seinem Highlight:

„Es waren eine Reihe sehr starker Speakers dabei, und – zu meiner Überraschung – fand ich Nilan Peires‘ Vortrag am wertvollsten, weil er tiefe Einblicke in den Maschinenraum von TransferWise gegeben hat. Es ist ja immer eines zu sagen „Every PM should …“, viel spannender ist aber „…and this is how we actually do it!“. Zum einen war Nilan da sehr transparent, zum anderen waren da auch ein paar echt gute und progressive Umsetzungen dabei, die man sich auch mal zum Nachdenken mitnehmen konnte. Ein Beispiel: Das Produkt so auf Teams verteilen, dass einzelne Teams nicht mehr klar abgegrenzt ein Teilprodukt verantworten, sondern ein Geschäftsziel erreichen sollen und dafür das gesamte Produkt anfassen können.“

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Nilan Peiris erklärt woher Produktinovationen normalerweise so kommen (NOT!)

Die folgenden beiden Vorträge von Dana Chisnell und Dave Coplin habe ich, zugunsten netter Gespräche geschwänzt. Zum Finale mit Ken Norton von Google war ich wieder im Saal. Seine Botschaft lässt sich zusammenfassen mit: „oft ist es einfacher darüber nachzudenken, etwas 10x größer/erfolgreicher zu machen als es um 10% besser hinzubekommen. Denn bei 10x muss man einfach ganz andere Werkzeuge und Taktiken wählen.“

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Ken Norton erklärt warum Kodak es nicht geschafft hat

Wolfgang Wopperer Beholz (Mitgründer, mindmatters GmbH & Co. KG) fasst für sich die Konferenz am Ende so zusammen:

Was ich für mich mitgenommen habe von der MTPCon 2015? Dass vieles von dem, was wir für Common Sense und den Stand der Diskussion halten, offenbar noch einige Male wiederholt werden muss, bis diese Sicht auch wirklich breit geteilt ist. Und ich habe einige hilfreiche Modelle, Metaphern und Methoden mitgenommen, wie wir diese Wiederholung gegenüber Stakeholdern, Partnern und Kunden besser bebildern und vermitteln können.

Mein persönliches Fazit

Mich hat die Konferenz dieses Jahr auf dem falschen Fuß erwischt. Ich war kurz gesagt enttäuscht. Aus meiner Sicht war wenig Neues dabei. Da ging es mir also wie Wolfgang.
Mir hat aber gefallen, dass Jared Spool das Kano-Model nochmal entstaubt hat und einige der Vorträge fand ich auch durchaus unterhaltsam. Inhaltlich ist allerdings nichts Spannendes am Horizont aufgetaucht. Und es ließ sich auch kein durchgängiges Trendthema (wie z.B. 2014) erkennen. Mein Highlight waren die Gespräche mit anderen Produktmanagern im schönen Hinterhof des Barbicans. Denn diese Art von Erfahrungsaustausch kommt sonst meist zu kurz.

Ich denke aber dennoch, dass die Konferenz gerade für Junior Produktmanager oder „Manager von Produktmanagern“ jede Menge guter Inhalte bietet: Wichtige Zitate, echte Beispiele und gute Kontakte. Und London ist ja auch immer eine Reise wert!

Die Speaker auf Twitter

  • Jared Spool (Founder, User Interface Engineering & Co-Founder, Center Centre) – @jmspool
  • Amanda Richardson (VP Product, HotelTonight) – @amandarich01
  • Shiva Rajaraman (VP Product, Spotify) – @shivar
  • Nilan Peiris (VP Growth, TransferWise) – @nilanp
  • Dana Chisnell (Co-founder of Center for Civic Design and Consultant at United States Digital Service) – @danachis
  • Dave Coplin (Author & Chief Envisioning Officer, Microsoft) – @dcoplin
  • Nathalie Nahai (Author, Speaker, Web Psychologist) – @NathalieNahai
  • Ken Norton (Product Partner, Google Ventures) – @kennethn

Videos zur Konferenz

Die Videos der Konferenz sind noch nicht Online. Daher verweise ich an dieser Stelle nur auf das Archiv in dem sie in den kommenden Wochen eintrudeln dürften.

Und ich bin so frei einen der Talks von der MTPCon in San Francisco hier einzubinden. Auch sehr spannend was Marty mit uns teilt.

Über Petra Wille

Petra Wille studierte Informationstechnik (Dipl.-Ing. (BA)) und war zuletzt, nach Stationen bei SAP, Hubert Burda Media und der XING AG bei der tolingo GmbH in Hamburg als „Managing Director“ tätig. Seit 2013 ist Petra Wille freiberufliche Produktmanagerin und arbeitet für Ihre Kunden an neuen Produktideen: immer mit agilen Projektmethoden und meist in internationalen, auch verteilten Entwicklungsteams. Außerdem berät und coacht sie Produktmanager und vermittelt Methoden und Handwerkszeug für ein professionelles, dynamisches Produktmanagement. Neben Ihrer freiberuflichen Tätigkeit ist Petra Wille begeisterte Kitesurferin und schreibt für produktbezogen.de

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