1-2-3 zum UX Traumjob mit dem perfekten UX Portfolio

Ein Portfolio, dass Projekte und Erfahrungen überzeugend rüberbringt, gehört zu einer guten UX Bewerbung dazu und bringt euch eurem UX Traumjob ein Stück näher. Doch ein passendes Portfolio zu machen ist eine echte Herausforderung. In diesem Teil des Job-Portraits User Experience Designer bekommst du Insider-Tipps von UX-Teamleitern und konkrete Tipps & Tricks für den Portfolio-Aufbau.

Die eigene Arbeit in ein ansprechendes Portfolio-Format zu bringen, ist alles andere als einfach. UX Designer haben dabei besondere Herausforderungen zu lösen. Anders als bei Visual Designer Portfolios ist das Arbeitsergebnis nicht immer hübsch anzusehen. Sketches von Interface-Konzepten, Wireframes oder Clickdummies sehen halt halbfertig aus. Nur finale Designs in das Portfolio einzubinden ist aber keine Alternative. Dem Betrachter wird dann nicht klar, welchen Anteil der UX Designer in dem Projekt übernommen hat und welches Profil er hat. Für ein perfektes UX Portfolio ist es deshalb wichtig sich Inhalte und Botschaft sorgfältig zu überlegen. Damit nichts schief geht, haben wir drei goldene Fragen, fünf Expertentipps und viel Inspiration für euch gesammelt.

3 goldene Fragen für das UX-Portfolio

Diese drei goldenen Fragen solltest du in deinem Portfolio beantworten:

  • Wie sieht mein Arbeitsprozess aus?
    Die Arbeitprozesse unterscheiden sich. Der eine startet am liebsten mit Analytics Daten und erstellt dann direkt einen Clickdummy mit echtem Code. Der andere beginnt mit Stift und Papier und liebt Test mit Papier Prototypen im Cafe. Dein Portfolio sollte klar machen, wie du tickst.
  • Welche Rolle habe ich den Projekten gespielt?
    Unsere Arbeit ist immer Team-Arbeit und jeder aus dem Team bringt sich mit ein. Zudem hat jeder andere Schwerpunkte. Das macht es für den Portfolio-Betrachter schwierig einzuschätzen, welche Rolle du bei dem Projekt gespielt hast. Eine anschauliche Erläuterung der eigenen Rolle hilft.
  • Was zeichnet meine Arbeit aus?
    Egal ob du verrückt nach Analytics bist, ein Händchen für gute Navigation hast oder ein einfühlsamer Nutzer-Interviewer bist – jeder UX Designer hat etwas, dass ihn auszeichnet. Deine persönliche Superkraft sollte in deinem Portfolio zu erkennen sein.

Wertvolle Insider-Tipps von UX-Profis

Die Auseinandersetzung mit der Zielgruppe bringt einen immer weiter und hilft Inhalte und Botschaft richtig aufzubereiten. Deswegen verraten UX-Teamleiter und Leads euch jetzt, worauf sie bei Portfolios besonderen Wert legen.

bettina-schultheisBettina Schultheis
Lead UX Consultant & Senior Creative Director, Deutsche Bahn AG

“Ein(e) Bewerber /-in sollte ein authentisches Portfolio präsentieren. Es muss erkennbar sein, welche fachlichen Ergebnisse erarbeitet wurden, was diesen speziellen UX-Designer ausmacht. Mit den Ergebnissen von Kollegen glänzen zu wollen, ist keine gute Idee. Die eigene Fachlichkeit eindeutig und strukturiert darzustellen ist für den UX-Designer unerlässlich. Generell sollte sich der UX-Designer durch ein hohes Maß an analytisch-abstraktem Denken, Kreativität und Empathie auszeichnen. Das möchte ich auch in einer Bewerbung erkennen. Je nach Einstiegs-Level erwarte ich natürlich unterschiedliche Ausprägungen. Ein Senior zum Beispiel sollte neben einer guten Expertise zudem eine Beratungshaltung haben, kommunikationsstark sein und ein ganzheitliches Denken vermitteln.”

FrankreimannFrank Reimann
Head of User Interaction & Design, 1&1 Internet AG

“Viele Portfolios sind leider das Gegenteil von Berlin. Vollkommen frei von gescheiterten Projekten und den daraus gewonnenen Erkenntnissen. Ich freue mich bei der Sichtung von Portfolios immer sehr, wenn diese nicht aus den üblichen Projektdarstellungen (Screen, Zeitraum, Kunde, Tätigkeit etc.) bestehen, sondern das Ausgangsproblem, die Herangehensweise und die Erkenntnisse während des Projektverlaufes im Vordergrund stehen. Gerne auch eine Schilderung, woran ein Projekt gescheitert ist oder was man beim nächsten Mal anders machen würde.”

UlfschubertUlf Schubert
Leiter User Experience, DATEV eG
Schreibt über UX und alles drumherum auf seinem User Experience Blog

“UX Designer arbeiten bei DATEV im Spannungsfeld zwischen User Research, Konzeption und Interaction Design. Daher schaue ich mir zuerst die gestalterischen Arbeitsproben bzw. das Portfolio an. An diesem kann ich in der Regel schon sehr schnell erkennen, wo die Schwerpunkte des Bewerbers bzw. der Bewerberin liegen und ob diese zur ausgeschriebenen Stelle passen. Da die gezeigten Projekte meist in Teamarbeit entstanden sind, ist es für mich wichtig erkennen zu können, welche konkreten Beiträge der Bewerber zu den gezeigten Projektergebnissen geleistet hat. Danach lese ich das Anschreiben. Hieraus versuche ich zu erkennen, welches Interesse der Bewerber an der ausgeschriebenen Stelle hat. Bei den Anschreiben hoffe ich immer darauf, dass auf Standardformulierungen aus Bewerbungsbüchern verzichtet wird. Die versperren mir eigentlich immer nur die Sicht auf den Bewerber und erschweren die Beurteilung 🙂 Am besten sind Anschreiben, in denen der Bewerber mit eigenen Worten beschreibt, wo er herkommt, warum er sich auf diese Stelle bewirbt und was er zum Erfolg des Unternehmens beitragen möchte. Wenn diese beiden Dinge mein Interessen geweckt haben, schaue ich mir den Lebenslauf und die Zeugnisse an, um mein Bild zu vervollständigen.”

WolfbrüningWolf Brüning
Principal UX Designer, OTTO GmbH & Co KG

“Fast alle Designer können ansprechend aussehende Screens und UIs erstellen. Plattformen wie Dribble sind voll davon. Natürlich ist es auch ein wichtiger Skill, saubere und attraktive Visual Designs erstellen zu können, aber allein daran erkennt man noch lange nicht, ob man es mit einem guten Product- oder UX-Designer zu tun hat. Darum interessieren mich die Zwischenschritte im Prozess viel mehr als das Endergebnis. Was genau war die Aufgabe, welche Erkenntnisse wurden unterwegs generiert und wie wurde auf deren Basis iteriert? Welche Entscheidungen mussten getroffen werden, welche Kompromisse eingegangen? Ein guter UX-Designer schafft Mehrwert im ganzen Produktentwicklungsprozess, ganz besonders am Anfang. Darum interessieren mich Portfolios mit zwei gut dokumentierten Projekten viel mehr als solche mit 20 hübschen Endergebnissen.”

achimgrunwaldAchim Grunwald
Head of User Experience, Zalando SE

“UX-Designer müssen unbedingt die Fähigkeit besitzen, sich in die Nutzer hineinversetzen zu können. Bei einer Bewerbung sind das ganz klar die Hiring Manager. Im Anschreiben und bei der Komposition des Portfolios zeigt sich oft, wie ausgeprägt diese Fähigkeit ist.“

Ein paar Inspirationen zum Schluß

Um euch die Arbeit zu erleichtern, findet ihr hier eine kleine und feine Übersicht von inspirierenden Portfolios mit Ansätzen, die auch für Produktmanager und UX-Researcher bei der Portfolio-Gestaltung nützlich sein können.

Falls ihr Vorschläge für diese Liste habt, schickt mir einfach eine Nachricht – diese Liste darf gerne länger werden.

  • Genauso arbeite ich:
    Ali Adair aus London stellt seinen eigenen Arbeitsprozess in einer übersichtlichen Grafik da. Schön und sehr anschaulich:
    http://aliadair.co.uk/design-process/
  • Weniger ist mehr:
    Simon Pan aus San Francisco stellt nur eine kleine Auswahl seiner Projekte in den Fokus. Übersichtlich und wundervoll minimalistisch:
    http://simonpan.com/
  • Workflow für jedes Projekt:
    Lai Yee Lori aus New York beschreibt für jedes Projekt den Workflow mit Zwischenergebnissen. Gründlich und sehr anschaulich:
    https://www.behance.net/laiyeelori
  • Erkenntnisse und Effekte im Projektverlauf:
    Ozan Türbedaroglu aus Berlin geht konkret auf Ziele, Erkenntnisse und Ergebnisse von ausgesuchten Case Studies ein:
    http://www.ozan75.de/
  • Der Blog, Notebook und Reading List im Fokus:
    Chad Mazzola aus Stockholm verzichtet auf ein Projekt-Portfolio und teilt mit der Welt, was ihn umtreibt. Ungewöhnlich und interessant.
    http://chad.is/

Ausblick

Im nächsten Teil des UX-Designer Job-Porträts geben alte Hasen interessante Einblicke in ihren Berufsalltag und verraten, was sie gerne schon vor einigen Jahren gewusst hätten.

Über Inken Petersen

Inken Petersen ist Gründerin & Design Partner beim Ubercreative Product Design Lab in Hamburg. Mit Lean UX-Training und Discovery Coaching hilft sie Teams schneller, kreativer und mit mehr Nutzerfokus gute Produkte zu entwickeln.

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