Sexy Research – Verwendung von Bildsprache vor, während und nach Research-Projekten

Als Product Owner, Designer und Researcher ist es unser gemeinsames Ziel, Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, die Kunden lieben. Um die bestmöglichen Ideen zu generieren, stecken wir häufig unsere interdisziplinären Köpfe zusammen und machen ein Brainstorming. Kollegen die neu im Thema sind müssen schnell ins Boot geholt werden und die Ergebnisse einer Brainstorming-Sitzung sollten für alle verständlich dokumentiert werden.

Während einer Nutzerbefragung ist es wichtig, eine offene Gesprächsatmosphäre zu schaffen, damit wir in die Welt unserer Nutzer eintauchen können und ihre Bedürfnisse besser verstehen können.

Nachdem wir dann mit einer Reihe von Nutzern gesprochen haben, ist es unsere Aufgabe, die gesammelten Erkenntnisse zusammenfassen – umso wichtiger, wenn Kollegen und Kunden beteiligt sind. Und das Ganze muss in der agilen Arbeitswelt schnell und „lean“ gehen.

In diesem Zusammenhang bin ich ständig auf der Suche nach neuen ansprechenden, „sexy“ Möglichkeiten um

  • unsere Arbeit in interdisziplinären Teams zu optimieren
  • Nutzer während des Interviews zum Reden und sich Öffnen einzuladen und
  • unsere Forschungserkenntnisse ansprechend zu kommunizieren.

Der Einsatz der „Bildsprache“ kann in diversen Phasen der Produktentwicklung helfen. Das Argument „Ich bin kein Künstler“ oder „Ich kann aber nicht malen“ zieht nicht, wenn man die Bildsprache als ein Denkwerkzeug betrachtet.  Sie erleichtert die Synthese und damit das Verständnis des großen Ganzen („Big Picture“). Nächste Schritte können schneller erkannt und Entscheidungen schneller getroffen werden.

Ich hoffe, die folgenden Beispiele sind eine Quelle der Inspiration für euch, damit ihr Bildsprache und visuelles Denken besser in eure „produktbezogene“ Arbeit integrieren könnt.

BILDSPRACHE ZU BEGINN VON RESEARCH-PROJEKTEN

Visuelles Briefing

Angenommen, ihr ladet eine Reihe von interdisziplinären Kollegen zu einem Workshop ein, um neue Ideen und Lösungen für ein bestimmtes Thema zu finden. Ihr habt ein dreiseitiges Word-Dokument zur Erläuterung der Hintergründe und Ziele dieses Projekts, aber eure Kollegen bräuchten eine Weile, um alles zu lesen. Ein visuelles Briefing fasst die wichtigsten Aspekte des langen Briefings zusammen und ermöglicht ein effizientes Onboarding der Kollegen. Alleiniger Nachteil ist, dass ihr etwas Vorbereitungszeit investieren müsst. Der Vorteil wird allerdings deutlich, wenn Ihre Kollegen schneller als sonst verstanden haben, worum es euch geht.

Briefing

Abbildung: Beispiel für ein visuelles Briefing

Visuelles Brainstorming (Brainsketching)

Das Skizzieren von Ideen ist manchmal einfacher und effizienter, als diese mit Worten zu beschreiben. Eine kurze Aufwärmübung (z.B. zeichnet den Begriff „Selbstdarstellung“) überzeugt auch Nicht-Designer davon, dass es hier nicht um Kunst, sondern um das Denken und bessere Verständnis geht.

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Abbildung: Visuelles Brainstorming

BILDSPRACHE WÄHREND DEM USER RESEARCH

Vorlagen können Nutzern dabei helfen, sich zu öffnen und sich auf eine bestimmte Frage zu konzentrieren. Gleichzeitig kann das Festhalten der Nutzeraussagen in der Vorlage dem Nutzer das Gefühl geben, dass der Interviewleiter gut zuhört – unnötige Wiederholungen werden so vermieden. Je nach Komplexitätsgrad könnt ihr den Nutzer bitten, selber zu schreiben, zeichnen oder vorbereitete Post-its zu verschieben. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, für den Nutzer zu schreiben, der sich dann voll und ganz auf das Erzählen konzentrieren kann.

Die Artefakte dienen dann auch als gute Gedächtnisstütze und helfen euch beim Zusammenfassen der Erkenntnisse.

Templatebeispiel_was_passt_zu

Abbildung:  Hier ging es um die Frage, welche Themen zum Produkt / Service passen und welche weniger – und warum das so ist.

Abbildung: Hier ging es um Fragen wie: Wie nimmt dieser Anbieter Kontakt zu Ihnen auf? Welche Kanäle sind Ihnen bekannt? Wie bewerten Sie diese und was ist Ihre Reaktion? Hier hat die Vorlage dabei geholfen, relativ unbewusste Prozesse bewusst zu machen, um darüber sprechen zu können.

Abbildung: Hier sollten die Nutzer darstellen, welche Dienstleistungen / Produkte sie verwenden z.B. um die Kontakte zu verwalten?

Stellt den Nutzern alle Logos, die euch einfallen zur Verfügung und bittet sie diejenigen auszuschneiden, die er / sie verwendet. Anschließend bittet die Nutzer, die ausgeschnittenen Logos so anzuordnen, dass sie die Nutzung am besten beschreiben. Dienstleistungen / Produkte, die dem Nutzer fehlen, werden einfach auf kleinen Post-its notiert.  Spannende Kommentare des Nutzers werden ebenso notiert. Welche Dinge möchtet ihr herausfinden? Welche Dimensionen interessieren euch? Bitten die Nutzer zu erzählen, wie sie in bestimmten Situationen gehandelt haben und wie sie sich dabei gefühlt haben.

Abbildung: Hier ging es uns darum, die Gruppe der Freiberufler besser zu verstehen. Was waren Ihre Herausforderungen als Neuling und als alter Hase ?

Abbildung: Was sind die Top Fünf Dinge, die Sie brauchen, um handlungsfähig zu sein? Danach immer nach dem ‚Warum’ fragen?

BILDSPRACHE, NACHDEM USER RESEARCH DURCHGEFÜHRT WURDE

Die folgenden Vorlagen und Metaphern können entweder einzeln verwendet werden oder zu einem großen Plakat zusammengestellt werden. Ich wäre nicht überrascht, wenn eure Kollegen fragen, ob sie das Plakat behalten können, um es in ihrem Arbeitsbereich aufzuhängen. In PowerPoint eingefügte Fotos von euren Skizzen und Mitschriften sind eine wenig aufwendige Dokumentationsmöglichkeit.

Denkt über das Hinzufügen von kurzen Audio-Dateien mit euren Kommentaren nach. Es ist sehr bequem für eure Kollegen, sich die Präsentation einfach schnell anzuhören. Versucht es selbst: Bilder und Ton sind ein Liebespaar!

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Studien Design

Beschreibt den Studienaufbau und die Studienteilnehmer. Was waren einige der Hauptmerkmale der Nutzer, mit denen ihr gesprochen habt?

Positives und negatives Feedback sowie Motivatoren und Barrieren  

Sammelt positives und negatives Feedback und gebt dem Ganzen einen entsprechenden Rahmen, z.B. Positives in einer Box mit fünf Sternen und Negatives in einer Box mit einem Stern. Notiert die Worte „WHY“ und „NOT “ in großen Buchstaben und schreibt Motivatoren und Barrieren rein, die ihr von den Nutzern gehört habt.

Kernerkenntnisse

Skizziert oder notiert eure wichtigsten Erkenntnisse und betont sie mit einem passenden Rahmen. Gibt es Widersprüche, typische Verhaltensweisen oder Nutzer-Strategien, die erwähnenswert sind?

Nächste Schritte

Was können ihr aus euren Erkenntnissen ableiten? Was sind die Chancen für die weitere Produktentwicklung? Ggf. ergeben sich Fragestellungen, die in Folgestudien mit anderen Research Methoden verfolgt werden müssen. Oder es folgt ein weiteres Brainstormig „Wie können wir …?“

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Mehr Beispiele online

 

Inspirationsquelle: Lisa Currie – The Scribble Diary: My Brain Right Now

 

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Über Britta Ullrich (Gastautor)

Britta arbeitet als Principal User Experience Manager bei XING und wendet die Bildsprache regelmäßig in ihrem Berufsalltag an. Seit 2012 gibt sie bei Vizworks ihre Begeisterung für die Bildsprache in Workshops und auf Konferenzen an visuelle Denker und solche die es werden wollen weiter. 2013 gründete sie mit ihren Kollegen die Vizthink Community in Hamburg, um den Austausch über die Macht der Bildsprache weiter zu fördern. Es ist ihre Vision die Bildsprache wie einen Virus zu verbreiten, um damit die unternehmerische Innovationskraft zu steigern sowie Fokus und Spaß in die Berufswelt zu bringen.

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