Wie man den richtigen Produktmanager findet – ein 3-Schritte-Guide

Nachdem ich in meinem letzten Artikel über das Mind-Set eines Produktmanagers geschrieben habe, geht es nun darum wie so jemand denn rekrutiert werden kann. Das Mind-Set hat schon gezeigt wie anspruchsvoll die Aufgabe ist und entsprechend schwierig ist es auch einen passenden Produktmanager zu finden. Die gute Nachricht ist, dass sich ein Produktmanager vielleicht bereits im Unternehmen „versteckt“, also einen anderen Titel oder Rolle hat. Um diese versteckten Produktmanager zu entdecken, als auch Produktmanager von außerhalb des Unternehmens zu rekrutieren, gilt es allerdings genau zu wissen, nach welchem Skillset und welcher Persönlichkeit gesucht werden muss.

Schritt 1: Wer wird gesucht?

Background:

Produktmanager können von ihrem Background her aus so ziemlich allen Studienrichtungen kommen. Ein technisches oder wirtschaftswissenschaftliches Studium bereitet meiner Meinung nach am besten auf die Aufgaben eines Produktmanagers vor, aber auch Quereinsteiger aus anderen Disziplinen können einen guten Fit ergeben. Eine Affinität für Informationstechnologien, Zahlen, kreatives und strukturiertes Arbeiten ist auf jeden Fall Voraussetzung. Einsteiger, die direkt von der FH/Uni starten, benötigen dabei allerdings noch einiges Training und Mentoring, um sich in die Rolle des Produktmanagers entwickeln zu können. Bei Produktmanagern mit Berufserfahrung achte ich darauf, dass die Erfahrung auch wirklich im Bereich digitaler Produkte gesammelt wurde. Berufserfahrung, die im Bereich von nicht-digitalen Produkten gesammelt wurde, unterscheidet sich zu stark vom digitalen Bereich, um als relevante Arbeitserfahrung angerechnet zu werden. Bei berufserfahrenen Produktmanagern ist sowohl die Qualität der kennengelernten Unternehmen wie auch die Art der Produkte/Produktinkremente, die entwickelt wurden, von Interesse.

Skillset:

Ein Produktmanager benötigt Expertise in den Bereichen:

  • Business (Wie funktioniert das Geschäftsmodell? Wie werden Business Cases gerechnet? Welche Kennzahlen beschreiben den Erfolg/Misserfolg des Produktes (KPIs)? usw.)
  • Technologie (Wie funktioniert Webentwicklung? Welche Technologien gibt es? Vorteile/Nachteile bestimmter Technologien? usw.)
  • Kunde (Wer ist der Kunde? Welche Kundengruppen gibt es? Welche Bedürfnisse hat der Kunde? Welche Probleme hat der Kunde? Wie kann ich Bedürfnisse des Kunden feststellen? usw.)

Nur wenn ein Produktmanager ein Experte in allen drei Bereichen ist, kann er mit Stakeholdern oder der Geschäftsführung auf Augenhöhe kommunizieren und kompetent gesamtwirtschaftliche Entscheidungen treffen. Diese Skills sind erlernbar und können einem Kandidaten durch Training und Mentoring beigebracht werden.

Persönlichkeit:

Persönliche Merkmale lassen sich nur sehr schwer oder gar nicht erlernen, deswegen ist dies für mich ein sehr wichtiger (und schwieriger) Schritt in der Suche eines Produktmanagers.

Meines Erachtens ist es wichtig, dass ein Produktmanager kritikfähig ist: kein Konzept/keine Produktidee ist perfekt, (nicht nur) deshalb wird es immer Kritiker geben und ein Produktmanager muss angemessen mit entsprechenden Reaktionen umgehen können.

Daraus ergibt sich auch, dass er ein Verkäufer sein sollte: er muss andere von seiner Idee und seinem Konzept überzeugen und mit seiner Leidenschaft hierfür anstecken können.

Er muss ein Stratege und Visionär sein: bei einem Produktmanager laufen im Unternehmen alle Informationen zusammen und er muss daraus eine Produktvision, eine Strategie und die notwendigen taktischen Schritte entwickeln.

Er sollte mit verschiedenen Rollen und Hierarchieebenen kommunizieren können: er arbeitet eng mit Technik, Marketing, User Experience Designern, Vertrieb usw. und auch unterschiedlichen Hierarchieebenen zusammen. Dabei ist es wichtig die jeweilige Fachsprache zu sprechen und Tonalität zu treffen.

Die relevanten Eigenschaften hängen natürlich auch vom Unternehmen und dessen Kultur ab, und müssen ebenso die bisherige Zusammensetzung des Teams und die Zusammenarbeit mit Schnittstellenbereichen ergänzen.

Schritt 2: Wo wird gesucht?

Bei Jobausschreibungen habe ich vor allem gute Erfahrung auf XING und LinkedIn gemacht. Hierbei sind zwei Wege zu nennen: „einfache“ Ausschreibungen in den genannten Netzwerken und posten der gesuchten Rolle im eigenen Profil und damit im eigenen Netzwerk. Mithilfe des eigenen Netzwerks ist es möglich schnellen und persönlichen Kontakt zu knüpfen. Die Wirksamkeit hängt aber stark von der Passung der Kontakte mit der Ausschreibung zusammen. Bei mir persönlich funktioniert das ganz gut, da meine Kontakte zum Großteil aus Produktmanagern und UX Designern bestehen.

Jobbörsen wie Stepstone, Monster oder Jobscout24 generieren dabei zwar mehr Bewerbungen, allerdings sind diese Bewerbungen gefühlt qualitativ weniger hochwertig.

Auch themenspezifische Blogs und Seiten für Produktmanager und UX Designer sind eine gute Art, um diese sehr spitze Zielgruppe anzusprechen. Aus diesem Grund starten wir mit dem Artikel über die Rekrutierung von UX Designern von Inken und mit diesem Artikel unsere eigene Jobsektion auf produktbezogen.de.

Schritt 3: Wie wird gesucht?

Meiner Erfahrung nach sind mindestens zwei Gespräche notwendig, um einen Fit (der natürlich auch dem Kandidat die Chance geben muss das Unternehmen und die Aufgabe genau kennenzulernen) feststellen zu können. Fokus des ersten Gespräche ist es, den Kandidaten und seine persönlichen Merkmale (s. Schritt 1) kennenzulernen und dem Kandidaten die Rolle und Unternehmensspezifika näher zu bringen.

Im zweiten Gespräch geht es darum das Skillset zu überprüfen (s. Schritt 1). Dafür schicke ich den Kandidaten im Vorfeld einen Case, den es für das Bewerbungsgespräch vorzubereiten gilt. Bei dem Case handelt es sich um eine Fragestellung aus dem praktischen Arbeitsumfeld seiner zukünftigen Rolle. Eine Fragestellung könnte in etwa so klingen: „Stellen Sie sich vor, Sie sind als Produktmanager übergreifend für die Suche auf Immonet.de verantwortlich. Welche Produktentwicklungen würden Sie kurz- und langfristig angehen und warum? Bitte gehen Sie auf konkrete Maßnahmen ein und erklären Sie warum Sie sich für genau diese Maßnahmen entschieden haben.“ Die Lösung und Vorstellung einer solchen Fallstudie ermöglicht eine Einsicht in die Vorgehensweise des Bewerbers und inwieweit das unter Schritt 1 beschriebene Skillset vorhanden ist bzw. eingesetzt wird. Auf der anderen Seite kann der Bewerber so eine typische Fragestellung des Unternehmens kennenlernen und feststellen, ob das etwas für ihn wäre.

Abschließend ist zu sagen, dass Rekruting eine vitale und komplexe Aufgabe ist und dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Trotzdem hoffe ich, dass die hier geteilten Erfahrungen vielleicht hilfreich sein können. Außerdem starten wir hiermit auch unseren neuen Jobs-Bereich und wer eine Stellenausschreibung posten möchte, kann sich bei uns gerne über unser Kontaktformular melden.

Über Daniel Neuberger

Produkt & Design

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.