Taiga.io – schnell, einfach, ansprechend und Open Source

Im November hatte ich den dritten Teil zur Serie „Tools für Produktmanager“ geschrieben und darin 11 Tools für die agile Produktentwicklung vorgestellt. Ein weiteres Tool, über das ich erst später gestolpert bin, ist Taiga.

Taiga ist ein agiles Projektmanagement-Tool zur Verwaltung von Backlogs, Planung von Sprints und Abarbeitung von User Stories. Es hat mir beim Ausprobieren so gut gefallen, dass ich mich dazu entschlossen habe, hierüber einen eigenen Artikel zu veröffentlichen, um im Detail auf die Möglichkeiten des Tools eingehen zu können.

Taiga – Love your project

Taiga stammt von Kaleidos, einem Unternehmen aus Madrid welches sich auf die agile Entwicklung von (freier) Software spezialisiert hat. In einer internen Innovations-Woche, in der das Team an Themen außerhalb des Tagesgeschäfts arbeiten konnte, entstand die Idee, ein Tool für agiles Projektmanagement für Startups und agile Entwickler und Designer zu entwickeln, das nicht nur einfach zu bedienen ist, sondern auch ansprechend gestaltet ist und in der Bedienung Spaß macht. Die Idee wurde immer weiter entwickelt, immer größer und so entstand schließlich das Produkt Taiga, welches von Kaleidos seit dem kontinuierlich ausgebaut wird.

Aktuell befindet sich Taiga noch in einer Beta-Version, wird aber bereits von Teams rund um den Globus genutzt. Und das Beste daran: Taiga ist 100% Open Source, kann also herunter geladen, auf eigenen Servern gehostet und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.

Aber auch die SaaS-Version kann sich preislich sehen lassen: Aktuell kann sie für alle Projekte kostenlos genutzt werden, öffentliche Projekte sollen auch in Zukunft kostenlos gemanaged werden können und die privaten Projekte (die noch bis April kostenlos sind) sollen danach 3-40$ pro Monat kosten, je nach Anzahl der Projekte. Im Vergleich zu den anderen vorgestellten Tools, die meist ein Kostenmodell auf User-Basis haben, immer noch ein Schnäppchen.

Das kann Taiga

Kommen wir nun dazu, wie Taiga aussieht und was man damit machen kann. Grundsätzlich kann man sagen, dass Taiga durch seine Schlichtheit und Geschwindigkeit besticht. Das Frontend ist sehr ästhetisch gestaltet, übersichtlich strukturiert und lädt (gerade wenn man Tools wie Jira gewöhnt ist) unglaublich schnell.

Auf der linken Seite hat man immer die Menü-Leiste zur Hand, mittels der man schnell zwischen den verschiedenen Bereichen (Suche, Backlog, Issues, Wiki, Team und Amin) wechseln kann. Im rechten Content-Bereich, der sich flexibel auf die volle Bildschirmgröße anpasst, sieht man dann die entsprechenden Informationen und Funktionen.

Admin

Fangen wir zunächst mit dem Administrations-Bereich an. Jeder, der bereits versucht hat, in Jira eine Rolle, einen Arbeitsablauf oder sonst etwas an den Standard-Vorgaben eines Projektes zu ändern, weiß wie kompliziert man eine Anwendung machen kann.

Bei Taiga ist es anders: hier sind alle Einstellungsmöglichkeiten übersichtlich gegliedert und schnell editierbar. So können Arbeitsabläufe für User Stories, Tasks und Issues intuitiv an die Bedürfnisse des Projekts oder Teams angepasst werden.

Taiga - Admin 1

Ebenso einfach können Rollen und Berechtigungen vergeben werden, Team-Mitglieder hinzugefügt oder bearbeitet werden, Prioritäten angepasst werden etc. Außerdem können verschiedene Module (z.B. ein Wiki, ein Scrum-Backlog oder ein Kanban-Board sowie ein Meetup-Tool) ab- oder hinzugeschaltet werden.

Taiga - Admin 2

Taiga bietet zudem die Möglichkeit, über Schnittstellen mit anderen Tools zu interagieren oder diese direkt zu integrieren. So können Webhooks eingerichtet werden, Github, Gitlab und Bitbucket integriert werden oder Plugins von Slack, Gogs oder Hall installiert werden.

Team

Für jedes Projekt kann man die Team-Mitglieder verschiedenen Rollen zuordnen. Voreingestellt sind beispielsweise Product Owner, Frontend- und Backend-Developer, aber auch an UX und Design haben die Entwickler von Taiga bereits zu Beginn gedacht. Die verschiedenen Rollen können im Admin-Bereich mit wenigen Klicks angepasst und mit Freigaben versehen werden. Im Bereich „Team“ kann man dann sehen, wer wie viele Stories abgearbeitet hat, wer die meisten Bugs entdeckt hat und wer die meisten Nachtschichten eingelegt hat… alles natürlich mit einem Augenzwinkern.

Taiga - Team

Backlog und Sprint Taskboard

Natürlich kann man in Taiga auch einen Backlog verwalten. Im Entsprechenden Bereich kann man User Stories anlegen (sogar per Bulk-Option!) und dann verwalten. Die Priorität lässt sich leicht per Drag’n’Drop verändern, der Status lässt sich schnell ändern und Story Points vergeben. Die Stories können durchsucht oder gefiltert werden (derzeit nach Tags und nach Status). Oberhalb des Backlogs sieht man eine kleine Statistik über den Fortschritt des Projektes und ein Burndown-Diagramm über mehrere Sprints hinweg.

Taiga - Backlog

Auf der rechten Seite kann man neu Sprints anlegen und anschließend Stories den Sprints zuweisen. Leider wird Taiga an dieser Stelle etwas unübersichtlich, da die Stories im Sprint nur noch abgeschnitten sichtbar sind.

Über einen Button gelangt man von hier aus auch zum Sprint Taskboard. Hier findet man die entsprechenden Stories aus dem Sprint mit den zugehörigen Unteraufgaben in verschiedenen Spalten (die ebenfalls einfach im Admin-Bereich geändert werden können) aufgeteilt dargestellt. So sieht jeder schnell, was zu tun ist und wie der Fortschritt ist.

Taiga - Sprint Taskboard

Ungünstig am Taskboard ist lediglich, dass es nur etwas umständlich über zwei Klicks aufgerufen werden kann. Hier wäre es besser, wenn das Sprint-Taskboard direkt in die linke Navigation integriert werden könnte – gerade aus Entwickler-Sicht, denn die Entwickler müssen ja immer täglich mit dem Taskboard arbeiten.

Kanban-Board

Alternativ (oder zusätzlich) zum Scrum-Backlog und Sprint-Taskboard kann man Taiga auch für Kanban nutzen. Hier werden sämtliche Stories (ähnliche wie die Aufgaben im Sprint-Taskboard) in frei definierbaren Spalten angeordnet.

Taiga - Kanban

User Stories

Neue Stories können wie schon beschrieben einfach und auch im Bulk angelegt werden. Neben einem Titel können hierbei direkt Tags, Story Points und ein Status vergeben werden, Details (formatiert in Markdown) beschrieben werden und eine Einstufung, woher die Story kommt, gemacht werden.

In der Detailansicht einer Story dann Unteraufgaben erstellt und Attachments angehangen werden. Außerdem können die Team-Mitglieder Kommentare hinzufügen um sich so über die Story auszutauschen.

Taiga - StoryEine Story kann zudem einem Bearbeiter zugewiesen oder, falls man sich für deren Fortschritt interessiert, beobachtet werden.

Wiki

Die meisten der agilen Tools, die ich im letzten Beitrag vorgestellt hatte, waren lediglich auf die Verwaltung und Bearbeitung von User Stories in Form eines Backlogs ausgelegt. Leider fehlte es den Tools jedoch an einer Möglichkeit, Informationen außerhalb von Stories oder Tasks zu dokumentieren. Lediglich Atlassian bietet mit Confluence ein Wiki-Tool an, welches sehr gut zusammen mit Jira genutzt werden kann (aber auch extra kostet).

Daher halte ich es für vielversprechend, dass in Taiga gleich ein Wiki mit integriert ist. Noch ist die Funktionalität des Wikis zwar recht rudimentär (man kann Seiten anlegen, Informationen mit Markdown festhalten und Anhänge hinzufügen), aber immerhin kann man alle Informationen an einem Platz sammeln – und ich bin zuversichtlich, dass die Funktionalität noch ausgebaut wird.

Taiga - WIki

Mein Fazit

Taiga könnte wirklich der neue Stern am Himmel der agilen Projekt- und Produktmanagement-Tools werden. Es besticht insbesondere durch seine ansprechende Gestaltung, seine Schlichtheit, seine Geschwindigkeit – und natürlich durch den Preis!

Das Tool befindet sich derzeit noch in der Beta-Phase und entsprechend kann und sollte es an einigen Stellen noch ausgebaut werden. Ich habe Taiga mit meinem Team für einen Sprint getestet und dabei sind uns insbesondere folgende Themen aufgefallen, die uns in unseren Arbeitsabläufen fehlten oder störten:

  • Ich kann nicht sehen oder danach suchen, welche User Stories und Tasks mir aktuell  geordnet sind.
  • Der Backlog ist teilweise etwas unübersichtlich (gerade wenn Tags angezeigt werden).
  • Das Sprint Taskboard ist etwas umständlich zu erreichen.
  • Stories können zwar Bilder und andere Dateien angehangen werden, aber es gibt keine Thumbnail-Ansicht (wie beispielsweise in Jira), mit der man schnell erkennen kann, um welches Bild es sich handelt.
  • In den Kommentaren zu User Stories kann man keine Mentions von Team-Mitgliedern machen – wodurch diese nicht mitbekommen, wenn man etwas von ihnen will.
  • Die E-Mail-Benachrichtigungen sind unübersichtlich, sodass man sich etwas zugespammt fühlt.
  • Das Wiki ist noch ausbaufähig

Aus diesem Grunde haben wir uns auch dazu entschieden, vorerst weiterhin mit Jira zu arbeiten (auch wenn wir an Jira bestimmt genauso viele Themen finden, die uns stören). Das Team von Taiga / Kaleidos ist allerdings sehr offen für Feedback (auf das auch immer prompt reagiert wird) und entwickelt das Produkt kontinuierlich weiter. Daher bin ich zuversichtlich, dass viele der Themen bald behoben sein werden.

Ich bin gespannt, was sich bis zum Release der „richtigen“ Version im April noch tun wird und werde Taiga auf jeden Fall im Auge behalten!

Weitere Artikel in der Serie

Unserer Serie zu Tools für Produktmanager besteht aus folgenden weiteren Artikeln:

Über Rainer Gibbert

Rainer ist Produktmanager mit großer Begeisterung für gute, Kunden-orientierte und wirtschaftlich erfolgreiche Produkte. Derzeit leitet er bei der Star Finanz GmbH in Hamburg den Privatkundenbereich und verantwortet die Weiterentwicklung der Software StarMoney. Zuvor war Rainer u.a. bei REBELLE als Head of Product, bei Fielmann Ventures als Senior Produktmanager sowie bei OTTO als Produktmanager im E-Commerce Innovation Center tätig und leitete das User Insights Team bei der XING AG.

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