Glückwunsch du bist jetzt Chef! – Tipps für neue Führungskräfte

Es ist nicht einfach Personalverantwortung zu bekommen, deswegen erstmal herzlichen Glückwunsch. Allerdings ist es noch schwerer überhaupt eine gute Führungskraft zu werden und zu bleiben. Die eigentliche Herausforderung steht also noch bevor. Ich selbst habe dabei auf keinen Fall den Anspruch mich hier als allwissende Führungskraft zu profilieren und meine Weisheiten hier mit der „unwissenden“ Welt zu teilen. Aktuell bin ich in der Situation, dass ich zwei angehenden Führungskräften auf ihrem Weg für kurze Zeit zur Seite stehen darf. In diesem Artikel fasse ich kurz meine Gedanken zusammen, die ich diesen beiden angehenden Chefs für ihren Start mit auf den Weg geben möchte. Als ich selbst  zum ersten Mal Personalverantwortung übernommen habe, hatte ich das Glück sehr gute Mentoren zu haben, die mir mit viel Geduld und Erfahrung zur Seite standen. Diesen Support hatte ich auch bitter nötig und trotz aller Hilfe ist einiges schief gelaufen.

Interessanteweise wird man in Deutschland jahrelang für seinen eigentlichen Job ausgebildet aber nicht für Personalverantwortung. Es wird erwartet, dass man das einfach irgendwie kann. Mein Mentor Dr. Gunter Woelky hat es sehr gut auf den Punkt gebracht:

„Führen ist keine Kunst, sondern ein Handwerk“.

Das bedeutet, dass Führung durch Training erlernt werden kann und keine angeborene Fähigkeit sein muss. Es sollte aber eben auch als Handwerk angesehen werden und es gilt das deutsche Sprichwort „Übung macht den Meister“. Leider gibt es zu viele Beispiele dafür wie tragisch sich eine schlechte Führungskraft auswirken kann und wie lange Teams/Unternehmen brauchen, um sich davon wieder zu erholen. Die Tipps für neue Führungskräfte sind also in erster Linie für euch zwei. Ich hoffe es hilft euch ein wenig bei euren anstehenden Abenteuern. Viel Glück! Und vielleicht sind meine Überlegungen ja auch für den ein oder anderen sonst interessant.

Managest du noch oder führst du schon?

Nicht managen sondern führen. Klingt banal, macht aber für mich persönlich einen großen Unterschied. Management basiert auf den Grundlagen von Frederick Taylor, als Begründer des modernen Managements. Seine Ansätze gehen davon aus, dass Menschen nicht arbeiten wollen und eben entsprechend kontrolliert werden müssen. Manager kümmern sich also vor allem um betriebswirtschaftliche und organisatorische Belange. Führen dagegen konzentriert sich vor allem auf Menschen und das macht es zu einem der schönsten und anspruchsvollsten Jobs der Welt. Im Idealfall ist es also so, dass eine Führungskraft auch ein guter Manager ist. Aber einen Fokus auf Führung und die Unterscheidung halte ich für enorm wichtig.

Kommunikation nach „oben“

Sehr oft habe ich mir in der Vergangenheit schon die Nächte um die Ohren geschlagen, um Präsentationen für die Vorgesetzten meiner Vorgesetzten zu bauen. Dabei kam ich selbst aber gar nicht als Vortragender zum Zug, sondern (und hier liegt das Problem) mein direkter Vorgesetzter. Damit wurde also eine Art Flüsterpost für Erwachsene gestartet. Der Ersteller der Präsentation und damit der Spezialist des Themas wird von seinem Vorgesetzten als Vortragender ersetzt. Durch diese indirekte Kommunikation gehen zu oft und zu viele Informationen verloren. Dabei ist auch nie vorauszusehen welche Rückfragen gestellt werden und wenn nicht „richtig“ beantwortet vielleicht das ganze Konzept oder Idee ins Wanken bringen. Denkweisen, dass du als Führungskraft alles selber wissen musst, sind von vorgestern. Wenn du also Inhalte deiner Mitarbeiter präsentieren möchtest/sollst, lass es deine Mitarbeiter selber vorstellen. Viele hatten dabei noch nie die Gelegenheit vor z.B. der Geschäftsführung zu präsentieren und sind entsprechend nervös. Biete ihnen Hilfe bei der Präsentationserstellung an, stimme die Inhalte ab und gib Tipps für die Präsentation selbst. Der Erfolg deines Mitarbeiters ist auch dein Erfolg.

Demokratie bis zu einem bestimmten Punkt

Die Meinung des Teams und der Mitarbeiter ist extrem wichtig. Diskutiere mit deinen Mitarbeitern bei anstehenden Entscheidungen und wäge Pro und Contra ab. In der Realität gibt es allerdings nur sehr selten Lösungen die nur Vorteile und keine Nachteile haben. Meist muss eine Lösung gewählt werden, die auch Nachteile hat und nicht alle glücklich macht. So verstrickt sich eine Gruppe ohne Führung aber leicht in endlose Diskussionen und eine Lösungsfindung wird sehr schwierig. Als Führungskraft gilt es Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Demokratie funktioniert hier nur bis zu einem bestimmten Punkt. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen du in den Lead gehen musst. Wichtig dabei ist, dass du das Problem erst verstehst bevor du entscheidest. Sei ein Entscheider, aber kein Diktator.

Wie ist deine Happybility heute?

Als Führungskraft wirst du aus verschiedenen Gründen die Gemütssituation deines Teams oder einzelner Mitglieder nicht immer genau einschätzen können. Ich würde empfehlen in den regelmäßigen Einzelgesprächen genau nach dieser Gemütssituation zu fragen. Dafür habe ich für mich den Begriff „Happybility“ entwickelt. Die Happybility ist die Befähigung (ability) die wir als Unternehmen dem Mitarbeiter ermöglichen um in seinem Arbeitsleben glücklich (happy) zu sein. Dabei geht die Skala von 1 (hier zu arbeiten ist wie Folter) bis 10 (hier zu arbeiten ist schöner als Freizeit). Falls jemand einen sehr niedrigen Wert (z.B. 3) nennt, solltest du dir zusammen mit dem Mitarbeiter überlegen welche Maßnahmen notwendig sind um ihn/sie auf einen hohen Wert (z.B. 7) zu bekommen und dich dafür einsetzen diese Maßnahmen zeitnah umzusetzen. Natürlich werden Mitarbeiter vielleicht nicht immer ehrlich antworten. Trotzdem kannst du dir so ein besseres Bild machen bzw. dem Einzelnen eine Plattform bieten um über seine aktuelle Gefühlslage mit dir zu sprechen.

Stell Menschen ein, die smarter sind als du

Klingt auch ziemlich banal, aber es gehört schon sehr viel Selbstreflektion dazu, so über den Schatten seines eigenen Egos zu springen. Wir alle denken und handeln sehr kompetitiv und versuchen besser zu sein als die anderen. Vor allem als neue Führungskraft entsteht leicht die Angst, die gerade erst bezogene Position direkt wieder an jemand noch besseren zu verlieren. Im Team- bzw. Unternehmenskontext verändern sich allerdings diese Regeln. Je besser das Team bzw. Unternehmen ist, umso erfolgreicher wirst du auch selber sein. Es gehört ein wirklich großes Maß an Demut dazu in solchen Bahnen zu denken, aber genau diese Denkweise ist auf den Führungsetagen notwendig. David Ogilvy hat es so gesagt:

“Hire people who are better than you are, then leave them to get on with it. Look for people who will aim for the remarkable, who will not settle for the routine.”

Das beste Investment überhaupt

Investiere Zeit in deine Mitarbeiter. Sorge dafür, dass sie auf dem richtigen Weg sind ohne ihnen dabei im Weg zu stehen. Ich halte den Vergleich mit einem Sportteam hier für sehr passend. Der Trainer sorgt dafür, dass das Sportteam alles hat um zu gewinnen. Er sorgt dafür, dass Ziele klar sind und das Team sich damit identifiziert. Er sorgt für regelmäßiges und individuelles Training, damit das Team die gesteckten Ziele bestmöglich verfolgen kann. Er erarbeitet die bestmögliche Aufstellung und sorgt dafür, dass die Positionen mit den richtigen Personen besetzt sind. Als Führungskraft wirst du noch weniger Zeit haben. Es wird immer noch mehr Meetings geben und alle werden die höchste Priorität haben. Trotzdem ist das beste Investment überhaupt die eigene Zeit in die Mitarbeiter zu investieren. Das hat die höchste Priorität.

Finde einen Mentor

Du brauchst jemanden mit dem du dich regelmäßig und offen über Probleme, aktuelle Situationen usw. austauschen kannst. Am besten jemanden der bereits ähnliche Erfahrungen sammeln konnte. Ein passende Person könnte eine andere Führungskraft aus dem gleichen Unternehmen sein, oder eine Führungskraft aus einem deiner vorherigen Jobs. Noch besser wäre ein professionelles Business Coaching. Hier empfehle ich als Startpunkt die Website meines eigenen Mentors Dr. Gunter Woelky. Wichtig ist in allen Fällen, dass die Chemie zwischen dir und deinem Mentor stimmt.

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3 Kommentare

  1. derDoubleD

    Ein schöner Artikel, der vieles auf den Punkt bringt. Mit einer tayloristischen Haltung und entsprechendem Management-Stil wird man den Anforderungen vieler Mitarbeiter (gerade der jüngeren Mitarbeiter) immer weniger gerecht.

    In meinem kurzen Beitrag „Mitarbeiter managen?“ habe ich mich dem Thema, was einen „Manager“ von einem „Leader“ unterscheidet, gewidmet und komme zu dem gleichen Schluss wie hier in dem Beitrag: http://www.inspectandadapt.de/mitarbeiter-managen/

  2. Detlev Petersen

    Hallo,

    zwar bin ich kein disziplinarischer Vorgesetzter, aber nach eigenen Überlegungen würde ich es genauso beschreiben wollen. Der Vergleich mit dem Sporttrainer passt und deckt sich mit der Gedankenwelt von Scrum, was recht verbreitet ist. Menschen sind keine Maschinen und Mitarbeiter sind keine Abarbeiter, so dass der Betreuer zum Ermöglichen einer guten Mitarbeiterperformance ein mehr als passendes Bild ist.

    Viele Grüße
    Detlev

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