Innovation Crowdsourcing – Mit der Kraft der Menge zu neuen Ideen

„Open Innovation“ ist heutzutage in aller Munde. Immer mehr Unternehmen setzen auf offene Innovationsprozesse, bei denen die Produktgenerierung nicht nur innerhalb des Unternehmens stattfindet, sondern externe Teilnehmer hinzugezogen werden. In unserem neuen Beitrag erklärt Alexander Peter von PHANTOMINDS, einem Hamburger Startup für Innovation Crowdsourcing, was genau es mit Innovation Crowdsourcing auf sich hat und wie es für die Produktentwicklung genutzt werden kann.

Ein Instrument der Open Innovation ist Crowdsourcing. Die Wortschöpfung „Crowdsourcing“ setzt sich aus den Begriffen „Crowd“ und „Outsourcing“ zusammen. Es beschreibt also, wie Aufgaben an eine Vielzahl von Nutzern, eine „Menschenmenge“, ausgelagert werden können. Eine Definition dieser „Menschenmenge“ wird im späteren Verlauf noch gegeben. Crowdsourcing selbst kann wiederum in diverse Gebiete unterteilt werden, wie z.B. Crowdfunding, Crowd Micro Tasking, Crowdtesting, Crowdvoting und Crowd Innovation.

Wir konzentrieren uns hier auf letzteres, auch Innovation Crowdsourcing genannt. Dieses beschreibt – im Gegensatz zur Weiterentwicklung und Variation bereits bestehender Produkte – die Innovation neuer Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle. Die Crowd sammelt also Ideen und Impulse, aus welchen sie selbst oder das beauftragende Unternehmen eine engere Auswahl bestimmt. Diese Auswahl wird dann konkretisiert, bis hin zu Prototypen, Geschäftsmodellen, neuen Serviceleistungen oder sogar marktreifen Produkten. Die hierbei entstehenden Ergebnisse werden auch „User Innovations“ genannt.

Innovation Crowdsourcing kann sowohl offline als auch online durchgeführt werden. Es können Workshops vor Ort angeboten werden, um Themen in direkter Kommunikation und „face-to-face“ zu erörtern. Auch online kann ein solcher „Ort“ erschaffen werden, z.B. in Form einer Plattform.

Es gibt spezialisierte Plattformen wie zum Beispiel jovoto, einer Crowdsourcing-Community für Design und Kommunikation. Andere Plattformen, so auch PHANTOMINDS, sind offener gestaltet und bieten Raum für innovative Produkte, Services oder Geschäftsmodelle aus verschiedensten Branchen, wie Touristik, Finanzen, Mobilität etc. Die Online-Plattform dient dabei als Raum, in dem sich die Crowd bewegt und die Möglichkeit hat, an einem strukturierten Ort ihre Ideen bestimmten Problemstellungen zuzuordnen und innovative Produkte oder Services zu generieren.

Wer ist die Crowd?

Indem ein Unternehmen mit der Crowd arbeitet, kann es das Wissen der „Menschenmenge“ nutzen und sich die Möglichkeiten der sog. Schwarmintelligenz zunutze machen. Diese heterogene Masse an Personen kann Ergebnisse erzeugen, die denen von Experten gleichkommen bzw. sie enthält zudem bereits Experten.

Für manche Innovationsprojekte ist es sinnvoll, die Crowd mithilfe einer Zielgruppenanalyse einzugrenzen. Es ist dabei jedoch zu beachten, dass eine heterogene Mischung Vorteile gegenüber einer rein homogenen Menschenmenge mit sich bringt, da hierdurch mehr Perspektiven und Ansätze zur Herangehensweise an die Lösung eines Problems gesammelt werden. Zu Identifizieren sind in jedem Fall die sogenannten Lead User. Sie sind i.d.R. Experten in ihren Gebieten, fortschrittlich, unzufrieden mit dem bestehenden Angebot und bemüht um eine Weiterentwicklung in diesem Gebiet. Oftmals handelt es sich hierbei um Trendsetter oder Meinungsführer.

Die Auswahl der passenden Crowd ist eine der Herausforderungen, denen man sich bei der Anwendung von Innovation Crowdsourcing stellen muss. Es stellt sich außerdem die Frage, ob eine Moderation notwendig sein könnte, um Konflikten innerhalb der Crowd entgegenzuwirken und diese ggf. einzudämmen. Wichtig ist weiterhin, die Problemstellung und die Ziele klar zu definieren und die Aktivitäten der Crowd dahingehend zu überwachen, dass keine Abweichung hiervon erfolgt.

Die entscheidende Voraussetzung jedoch ist die Bereitschaft eines Unternehmens, sich für Innovation Crowdsourcing zu öffnen und somit ihre Problemstellungen bzw. Innovationsfragen auch offen zu legen. Dies mag für manche Unternehmen als eine Art „öffentliche Bloßstellung“ des Problems verstanden werden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: das Unternehmen zeigt das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Veränderung und die Bereitschaft, zukünftige Produkte und Aktivitäten an die Bedürfnisse der potentiellen Kunden (der Crowd) anzupassen. Gleichzeitig zahlt es durch die präsentierte Offenheit und den Innovationsmut auf das Employer Branding des Unternehmens ein.

Step by Step – ein beispielhafter Innovation-Crowdsourcing-Ablauf:

Ein Unternehmen entscheidet sich dazu, ein offenes Innovationsprojekt zu starten. Es möchte ein neues Produkt auf den Markt bringen und eine offene Frage mithilfe von externen Akteuren, in diesem Fall einer Crowdsourcing Community, klären.

Innovation Crowdsourcing

Hierzu geht es wie folgt vor:

  • Das Unternehmen sucht nach Innovation Crowdsourcing-Anbietern. Es gibt einige Websites, die entsprechende Übersichten anbieten, wie z.B. CrowdCommunity. Dort schaut es sich um und entscheidet sich für einen Anbieter mit geeignetem Tool.
  • Das Unternehmen bespricht die Fragestellung mit dem Crowdsourcing-Anbieter. Es wird eine konkrete und zielgerichtete Frage formuliert, die der Entstehung des Produkts dienen soll.
  • Diese Frage wird an die Crowd gerichtet. Diese beginnt mit dem Brainstorming von Ideen.
  • Die Ideen werden (aus-)sortiert und weiterentwickelt. Es wird eine erste Auswahl an möglichen Lösungsansätzen gewonnen.
  • Die erarbeiteten Lösungsansätze werden weiterverarbeitet und vertieft. Es entstehen erste konkrete Konzepte.
  • Eine erneute Auswahl schränkt die Konzepte auf einige wenige Möglichkeiten ein. Nach dem Testing und Evaluieren dieser Möglichkeiten entscheidet sich das Unternehmen dann für eine Lösung, welche umgesetzt wird, sodass ein Prototyp des Produkts entsteht.
  • Der Prototyp wird wieder getestet und ggf. verbessert. Das Produkt wird produziert und findet Anklang auf dem Markt.

Ein konkretes Beispiel – das Pilotprojekt von PHANTOMINDS

Unser Kunde Camp Adventure bietet internationale Sport- und Sprachcamps an. Die PHANTOMINDS-Community wurde vor die Herausforderung gestellt, Sprachreisen für Kinder und Jugendliche attraktiver zu gestalten. Die Fragestellung:

„Wie ist ein internationales Sprachcamp deiner Meinung nach zu gestalten, damit das Sprachenlernen von Jugendlichen als attraktives Urlaubsangebot wahrgenommen wird?“

Die Community sammelte hierfür eine Vielzahl neuer Format- und Umsetzungsideen. Davon wurde am Ende ca. eine handvoll zu konkreten Vermarktungsvorschlägen ausgearbeitet.

Die nächste Ideenwerkstatt

Am Donnerstag den 19.02.15 startet PHANTOMINDS in Kooperation mit dem Magazin „StartingUp“ ein weiteres Projekt. Wir fordern alle Interessierten heraus, an der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells mitzuwirken. Die Ideen hierfür stehen unter der Creative-Commons-Lizenz, d.h. sie dürfen auch direkt von jedermann umgesetzt werden.

Das Thema der kommenden „Ideenwerkstatt“ ist Hofladen-Franchise. Die Geschäftsidee beschreibt ein überregionales Store-Konzept mit einer gemeinsamen Dachmarke, in dem regionale Produzenten ihre lokal erzeugten Lebensmittel und Kleidungsprodukte anbieten. Durch gemeinsame, überregionale Marketing- und Kommunikationsstrategien wird das Ladenkonzept bundesweit als eigenständige Marke vermarktet. Die Herausforderung ist es nun, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, welches alle Aspekte, Chancen und Risiken mit aufgreift und am Ende umsetzungsfähig ist. Zu gewinnen gibt es ein 24-Monate-Softwarepaket Buchhaltung und Finanzen von Lexoffice sowie ein iPad mini samt einem digitalen StartingUp-Jahresabo. Hier geht es zur Teilnahme!

Nutzen für Unternehmen und User

Aus Crowdsourcing können sowohl Unternehmen als auch die Crowd-Mitglieder selbst einen Nutzen ziehen.

Für die Unternehmen werden Problemstellungen so nah am Kunden wie nur möglich betrachtet, da dieser Teile zur Lösung bis zur kompletten Lösung selbst beiträgt. Hierbei kann die Tatsache, dass die Kunden nicht Teil des Unternehmens und damit nicht „betriebsblind“ sind, für frische Ideen und neue Impulse sorgen.

Für den Nutzer des Endprodukts ist eine optimale Verwendung nach seinen Vorstellungen natürlich ein großer Anreiz, um an der Produktentwicklung mitzuwirken. Doch auch weitere Anreize wie die Möglichkeit, etwas Neues zu erschaffen, Teil einer innovativen Community zu sein oder auch finanzielle Mittel können für die Crowdmitglieder interessant sein.

In Pilotprojekten haben wir bei PHANTOMINDS getestet, welche Anreiz-Systeme für die Community am besten funktionieren. Dabei konzentrierten wir uns auf monetäre und nicht-monetäre Entlohnungen bzw. deren Kombination. Aufgrund der Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Forschung zu diesen Systemen konnten wir ein eigenes Anreiz-System erstellen, welches den Bedürfnissen der Crowd am ehesten gerecht wird.

Fazit

Das Arbeiten mit der Crowd kann auf vielfältige Weise gestaltet werden. Ein Bereich davon ist das Innovation Crowdsourcing. Hierbei werden innovative Produkte, Services und Modelle mithilfe der Crowd entworfen. Es geht um mehr als eine Produktdifferenzierung – es geht um wirklich innovative Ideen, welche optimal auf die Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind. Sowohl der Kunde als auch die Crowd/Community können einen Nutzen aus diesem Prinzip ziehen. Die Herausforderungen dabei sind es, die passende Crowd zu identifizieren, eine geeignete Plattform einzusetzen und der Crowd die richtigen Anreize anzubieten – dann entstehen innovative Prototypen und Produkte bis zur Marktreife.

 

 

Über Alexander Peter (Gastautor)

Hi, ich bin Alexander – gemeinsam mit Mirko Bendig habe ich PHANTOMINDS gegründet. PHANTOMINDS ist ein agiles Start-Up in Hamburg das durch eine neuartige, wissenschaftliche Methodik kollaborativ erstellte „User Generated Innovations“ neu definiert. Gerade als Gründer stellen wir einen besonderen Anspruch an unser Handeln und unsere Arbeit. Wir leben das, was wir tun und arbeiten mit „Passion“. Nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube daran, dass Menschen, egal welchen Status, welcher Herkunft, welchen Alters oder welcher Ausbildung, gemeinsam die Welt ein Stück besser machen können. Das treibt mich an und dafür stehe ich jeden Tag aufs Neue auf!

Ein Kommentar

  1. David

    Hi Peter,
    danke für den tollen Artikel zum Crowdsourcing. Ich liebe agile Methoden.
    Der linear dargestellte Weg von einem Problem zum Produkt kann auch als Kreis dargestellt werden. Denn schließlich fängt es dann dort wieder neu an.

    VG David

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